Was von der Liebe übrigbleibt

Nur weil die Liebe verschwindet, verschwinden nicht automatisch die Dinge mit ihr, die dieses Gefühl einst materiell bestätigt haben, Dinge die mit vertrauter fremder Handschrift abgegriffene Bücher, Postkarten und Post its zu Zeitkapseln gemacht haben, Dinge für die es kein Vorher und kein Nachher mehr gibt, die, sobald man sie  zwischen die Finger bekommt, Geschichten abspulen aus längst vergangener Zeit. So ungefähr verhält es sich mit den Erinnerungen in meinem alten Bastkoffer unter dem Ikea Aktenschrank. So ungefähr verhält es sich mit etlichen anderen Erinnerungen in Koffern und Kisten unter zig anderen Schränken an unzähligen ehemaligen Liebesschauplätzen. Wir heben persönliche Dinge auf die wir nicht wegwerfen können, wir verstecken die Dinge an die wir nicht rühren wollen, sie lenken uns zwar zuweilen vom Aufräumen ab, aber versteigern würden wir sie deshalb nicht.

Die Truman Capote Nachlassauktion, erlebte Leanne Shapton wie eine Autobiografie. Dort erwarb sie ausser einem alten Regenmantel, die Inspiration zu einem Buch mit dem einprägsamen Titel: Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck. Leanne Shapton ist Illustratorin und war bis vor Kurzem die Art-Direktorin der Meinungsseite bei der New York Times. Die 36-jährige sagt von sich selbst, „sie könne nun mal keine langen Stücke schreiben, aber eine Geschichte mit Bildern und Worten gleichzeitig zu erzählen, damit kenne sie sich aus.“ Und weil sie das tatsächlich tut, erscheint am 23.01. die deutsche Übersetzung der fiktiven Liebesgeschichte von Lenore und Hal, erzählt in Form eines Auktionskataloges, beginnend am Anfang ihrer Liebe, endend mit ihrer Trennung, dazwischen chronologisch verzeichnet und beschrieben, die Andenken an ihre Zeit als ein New Yorker Paar.

Die Berliner Prämiere des zum New Yorker Stadtgespräch gewordenen Buchs, an dem sich Brad Pitt schon die Filmrechte gesichert hat, wird nicht, wie ich vermutet hätte im Museum der Dinge stattfinden, sondern am 18.01.2010, 18-20 Uhr in den Räumen von Andreas Murkudis.

Fotos:
ganz oben: Mates of State, Tour 2006;
Objekte: Jason Fulford;
Schnappschüsse von Lenore und Harold: Leanne Shapton;
ganz unten: Shooting, Leanne Shapton

Zeit Online

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