Shias Stimme – Synchronsprecher David Turba im Interview mit TheJunction
Als Stimme von Shia LaBeouf kennen ihn viele. Wie er aussieht, wissen die wenigsten: David Turba ist in der deutschen Synchronsprecherbranche eine feste Größe. Grund genug für TheJunction, ihn nach seiner Arbeit zu fragen – und ihm ein paar digitale Grußworte zu entlocken.
Hallo David! Transformers 3, mit Shia LaBeouf in der Hauptrolle, ist seit wenigen Wochen in den deutschen Kinos. Wie hat dir der Film gefallen?
Er hat mir gut gefallen. Ehrlich gesagt, mochte ich den ersten Teil von Transformers am liebsten. Zuweilen war ich dieses Mal etwas verwirrt: die schnellen Kameraschnitte, die rasanten Actionszenen – da muss man erst mal mitkommen. In 3D ist das aber schon sehr beeindruckend.
Wie lange dauert es, bis ein Blockbuster synchronisiert ist?
Normalerweise dauert das bei so einem Film um die zwei Wochen. Diesmal waren wir aber vier Wochen beschäftigt. Das ist extrem lang für nur einen Film.
Woran lag das?
Unser Studio bekommt aus Amerika nur eine Rohfassung des Films. Das heißt: Während wir schon fleißig synchronisieren, schneidet der Regisseur sein Material diverse Male um. Dann bekommen wir eine aktuelle Fassung. Das kann einige Male hin und her gehen.
Gibt es Unterschiede in der Synchronisation zwischen einem Millionen-Dollar-Film und einer Serie?
Eindeutig, ja! Bei einer Serie stehen wir unter gehörigem Zeitdruck. Die muss schnell im Kasten sein. Die Qualität leidet darunter zwar nicht, aber die Macher eines Blockbusters räumen den Studios einfach mehr Zeit und Budget ein.
Wie wird man der Sprecher von einem Hollywoodstar?
Durch Zufall. Man muss sich das so vorstellen: Als Will Smith in Der Prinz von Bel Air seine erste größere Rolle gespielt hat, war noch nicht klar, dass er Jahre später der Superstar sein wird, als den wir ihn heute kennen. Als Synchronsprecher kann man also mit ein wenig Glück an der Karriere des Schauspielers mitwachsen.
Klingt logisch! Und wie wird man überhaupt erst mal EIN Synchronsprecher?
Auch das hat viel mit Glück und Zufall, aber auch harter Arbeit zu tun. Wir sind alle Freiberufler. Das heißt, wir sind auf Aufträge angewiesen. Wenn jemand sagt: Ich will Synchronsprecher werden, dann kann er sich gerne versuchen. Aber in der Regel sind Neue zu unerfahren, als das ein Regisseur diese noch einmal buchen würde. Selbst wenn du die unwiderstehlichste und einzigartigste Stimme der Welt hast: Wenn du sie nicht professionell einsetzen kannst, bist du wieder raus. Die Strukturen sind relativ starr.
Manchmal kommt es zu Umbesetzungen, die vom Zuschauer verständlicherweise als lästig empfunden werden. Auch du hast LaBeouf nicht immer deine Stimme geliehen. Warum?
Das stimmt. In den häufigsten Fällen hat das mit terminlichen Gründen zu tun. Wenn es zu solchen Umbesetzungen kommt, sprechen wir das untereinander aber ab. Wir haben einen Ehrencodex in der Branche – manchmal wird der aber auch gebrochen. Es kommt auch immer wieder mal vor, dass der Regisseur einer Serie oder eines Films ein Casting zur Neubesetzung einzelner Sprecher fordert. Und das, obwohl man einen Schauspieler bislang immer gesprochen hat. Dann heißt es zittern, bangen und hoffen, dass man wieder dabei ist.
Seit wann arbeitest du als Synchronsprecher?
Seitdem ich sechs bin. Mein Vater ist Synchronregisseur und hat mich damals mit ins Studio genommen. Wie es der Zufall wollte, musste ein kleiner Junge gesprochen werden und ich war im Geschäft. In der Folge habe ich immer mal wieder kleinere Sachen synchronisiert. Mit 12 habe ich dann verstärkt Aufträge erhalten. Und weil ich am Sprechen immer Spaß hatte, habe ich es parallel zur Schule weitergemacht.
Machst du auch noch etwas anderes als Sprechen?
Die Synchronbranche bietet tatsächlich mehr Beschäftigungsfelder als nur das Sprechen: Regie, Text, Schnitt und Ton. Ich texte übrigens recht viel.
Wie muss man sich die Arbeit am Text vorstellen?
Die Synchronstudios erhalten neben den Videos natürlich auch die fremdsprachigen Skripte. Ein Übersetzer stellt mir eine Rohübersetzung zur Verfügung, die ich dann in eine lippensynchrone Form bringe. Das kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Insbesondere wenn man englische Wortspiele schlüssig ins Deutsche übertragen soll. Manchmal klappt das besser, manchmal schlechter.
Für welche Produktionen hast du getextet?
Anfänglich war ich nur Co-Autor. Mittlerweile bekomme ich aber auch direkt Aufträge. Zuletzt habe ich die Bücher für Blue Mountain State, Einfach Cory, Greek und The Wannabes geschrieben.
Du bist nicht nur die Stimme von Shia LaBeouf. Wen sprichst du noch?
Ich bin in vielen verschiedenen Serien zu hören: Everwood, Queer as Folk, Eureka, Cougar Town, Nip/Tuck, aber auch in einer Reihe von Comic- und Anime-Serien. Darüber hinaus spreche ich Episodenrollen, beispielsweise in CSI.
Zu einem ganz anderen Thema: Sind Synchronsprecher Prominente?
Nein, wenigstens nicht in Deutschland. In Frankreich haben Synchronsprecher ein ganz anderes Image als hier. In Deutschland sind Medien am Thema Synchron nicht weiter interessiert. Vielleicht ist es einfach zu normal. Ich bin aber nicht unglücklich darüber. Ich lebe mein Leben wie jeder andere Mensch auch und für meine Freunde und Bekannte ist mein Beruf nichts, was sie jeden Tag ausflippen ließe.
Wenn man deinen Namen googelt, findet man trotzdem einige Seiten, die auf einen gewissen Fanstamm hinweisen.
Das nehme ich natürlich wahr. Wenn dort Positives steht, dann freue ich mich auch sehr. Negative Kommentare berühren mich allerdings nicht.
Bei Youtube kann man dich in einem Ausschnitt von der Serie „Unser Charly“ sehen. Das war 1995. Warum stehst du nicht häufiger vor der Kamera?
Meine Leidenschaft galt schon in jungen Jahren vor allen Dingen dem Sprechen. Eine Schauspielkarriere habe ich nie angestrebt. Aber wenn ich morgen in einem Riesenblockbuster mitspielen sollte, würde ich es wohl machen.
Lieber David, vielen Dank für dieses Interview.
David Turba als Shia LaBeouf
David Turba zusammen mit seiner Schwester Magdalena als Stimmen in Everwood
David Turba vor der Kamera




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