re:view: Milano-I ragazzi belli
22.01.09
Die Mailänder Männerschauen sind der Paukenschlag – Aufgewacht, der Modezirkus hat wieder begonnen und alle sind ganz aus dem Häuschen. Nebenbei wurde zwar auch der Neue für Amerika vereidigt, aber wenn interessiert schon Herr Obama wenn seine Frau Michelle und deren Garderobe doch viel interessanter ist? Aber nun wissen wir ja, dass sie sich für ein Ensemble von Isabel Toledo und für Kleid von Jason Wu entschieden hat. Nebenbei: Sie sah schon grossartig aus….. Aber stop! Darum geht es ja gar nicht. Um Männermode gehts, und darum wie Selbige für den kommenden Winter auszusehen hat. Übrigens: Mode ist eine Diktatur und kein Wunschkonzert. Vor ihr müssen alle die Waffen strecken.
Harte Zeiten liegen vor uns und wenn es nach dem Willen der Wirtschaftsexperten geht, dann wirds sogar sehr düster. Je härter die Zeiten – sofern wir uns mal kurz ganz depressiv und demüzig gen Himmel wenden wollen – desto mehr wird im Luxus geschwelgt. Ein kurzer Exkurs in der Modegeschichte zeigt da einige Beispiele, der ‘New Look’ ist nur eins davon.
Es ist zu verkünden, dass die Zeiten der armseligen Schichtlooks vorbei zu sein scheinen. Mann verkleidet sich nicht mehr als urbaner Kämpfer, sondern es wird wieder, durch eine lange nicht in dieser Form dagewesene Angezogenheit, eine klar strukturierte Kleidung gezeigt. Anzüge spielen wieder eine viel größere Rolle, dreiteilig mit Weste oder als Zweireiher. Man bezieht wieder Stellung und eine Rüstung ist da unabdingbar. Man kämpft aber eben nicht mehr auf der Straße zum Spaß, Ernsthaftigkeit kehrt nun wieder ins Berufsleben zurück. Besten Beispiel ist da die Jil Sander Kollektion, Raf Simons schickte bis auf wenige Ausnahmen nur Jacken auf den Laufsteg. Sie sind starr und geben dem Körper Form, machen in gewisser Hinsicht unverwundbar. Die dunklen Rollkragenpullover erinnern an das klassische Bild intellektueller Avantgarde.
Überhaupt waren Mäntel und Jacken die Stars der vergangene Tage. Es ist schwer da überhaupt Favoriten heraus zu stellen. Alle Labels haben sich besondere Mühe gegeben eine eigene Richtung einzuschlagen, alle wollen Begehren wecken. In meinen Augen haben Missoni und Burberry Prorsum ganz klar die Nase vorn. Christopher Baily hat für Burberry einen eigentlich klassischen Caban rot abgefüttert – ein Highlight. Meine Vorliebe für seine Entwürfe habe ich ja schon im Sommer bekundet, diesmal soll dies reichen. Missoni hingegen wird für Männer aber immer ein bisschen unterschätzt, der Caban in beige-blauem Schattenkaro ist so unglaublich schön!
Viktor Emanuel II. und die Hof-Uniformen des Königreiches Italien standen Pate für die an Posamenten reichen Jacken bei D&G. Das Zweitlabel zu Dolce&Gabbana gestaltet sich weit Schmuckreicher als der Hauptlinie. Bisschen thealtralischer Zierat ist immer gut. Beide Kollektionen beinhalten übrigens auch Beerentöne bis hin zu knalligem Rot – wie auch Ermenegildo Zegna, wie auch Etro, wie auch… Ohne Rot geht nichts im nächsten Winter, es ist die Farbe!
Nun gilts den Sommer zu überstehen, wenns sein muss bisschen mit rumjammern und so. Ab September wird dann wieder die Mode gefeiert, und das Leben, und die Lust am Luxus! Klar werden auch Modelabels untergehen, einige werden sicherlich zum letzten Mal eine Schau zeigen.



















