Ein Tunnel in Texas


07.05.10

Neugierige Nachbarn aus Houston, Texas, die 2005 zufällig auf einem routinierten Streifzug durch ihr hegemoniales Hoheitsgebiet den Montrose Boulevard passierten, wunderten sich vielleicht über die eigenwillige Umgestaltung ihrer einst vertrauten heimischen Umgebung. Die architektonische Attraktion zog sowohl Passanten als auch Autofahrer in den Bann und regte zu spontaner Reflexion und intensiver Diskussion an. Die beiden ehemaligen Schulgebäude wurden von Dan Havel und Dean Ruck vor dem bevorstehenden Abriss vollständig umgekrempelt und erlebten so eine Transformation zur ,,Inversion“, die, wie ein schwarzes Loch, die Materie der Häuser von innen absorbierte.

hemmy

 

Micropolis – bürokratische Stapelarchitektur


27.04.10

In Stunden der unendlichen Monotonie und überkommenden Müdigkeit, in denen Zeit in ewig andauernde Dimensionen zerfließen zu scheint, sehen sich geübte Zeittotschläger wiederkehrend gleichförmigen Verhaltensmustern ausgesetzt. Besonders beliebte Beschäftigungstherapien sind, neben meditativer Notizblockbemalung, die akkurate Neuordnung der gegenwärtigen Schreibtischsystematik. Peter Root scheint ein besonders resoluter Bürostuhlakrobat zu sein, zumindest stapelte der britische Künstler mehr als 100.000 Tackerklammern in 40 Stunden auf eine Fläche von 3×6 Metern. Die urbane Miniaturmetropole aus dichten Wolkenkratzern und vorstädtischen Häusersiedlungen hat beeindruckende Ähnlichkeit mit einer amerikanischen Großstadtlandschaft der Superlative, aufgenommen aus bekannter Vogelperspektive und in realistisch grauem Smogton gehalten. Das Stop Motion Video zeigt auf anschauliche Weise die Entstehung einer ,,Ephemicropolis“.

http://www.vimeo.com/10875342

Für Solche, die sich eher in ländlichen Gebieten beheimatet fühlen, hier ein Beispiel des organischen Städtebaus, ebenfalls von Peter Root. Durch den natürlichen Stärkeklebergehalt der Kartoffelpflanze architektonisch auch um einiges einfacher, dafür aber mit zeitlich zunehmender Sporenbelastung.

designboom und nochmal designboom

 

Englands haariger Beitrag zur Expo 2010


09.04.10

Wo sonst als in Shanghai, China, der asiatischen Metropole der Superlative, sollte die größte Weltausstellung aller Zeiten stattfinden. Bei voraussichtlich 70 Millionen Besuchern lohnt es sich dann auch schon mal mit visuellem und konzeptionellem Futurismus auf sich aufmerksam zu machen – wie England mit dem von Thomas Heatherwick kreierten Pavillon. Das etwas groß geratende Nadelkissen soll nicht etwa Spießigkeit oder gar eine borstige Art der Britten repräsentieren, sondern vielmehr die einmalige Verbindung von Natur und Urbanität in England verkörpern. In den 60.000 Filamenten in fragiler Fiberglasoptik verbergen sich verschiedenste Pflanzensamen, die also für mehrere Hektar britische Grünfläche stehen sollen. Wenn zwischen dem 01.05. – 31.10.2010 dann auch noch ein Lüftchen in Shanghai wehen sollte, erlaubt die flexible Fiberglasskulptur sogar ein seicht schimmerndes Schwingen der Filamente. Am Abend taucht sich der britische Expo-Beitrag thematisch passend in ökologisches Grün.

via Yatzer & dezeen

 

Blob VB3: die Alternative zum Osterkörbchen


04.04.10

Passend zur Zeit der furiosen Eiersuche hier ein etwas größer geratenes Ei, geschickt durch außerirdisches Aussehen am Rande verdächtiger Kornfelder getarnt. Der überdimensionale Hartschaler hört auf den geheimnisvollen Namen Blob VB3. Seine Macher vom belgischen Architekturbüro dmVA haben dem ausgewachsenen Ei aber nicht nur eine harte Schale mitgegeben. In der auf Hochglanz polierten Polyesterhülse verbergen sich ein platzsparendes Bad, integrierte Kochnische, halbrundes Bett und großzügige Verstaumöglichkeiten. Ein appetitlicher Rückzugsort für alle, denen es in rechteckigen Räumen zu ungemütlich ist oder, die schon immer von einem eigenen Büro geträumt haben. Das ausgehöhlte EIgenheim lässt sich durch minimale Gewichtsklasse ganze einfach jedes Ostern neu verstecken.

designboom

 

Facetten, Reichtum im Raum


13.09.09

Michel de Broin

Michel de Broin

Bin gestern Abend noch über einige interessant geschliffene Edelsteine gestolpert.
Ich hab sie im jüngst überarbeiteten Trendbook#1 – Facet Design entdeckt. Die digitale Werkschau wurde vom Team der Internetbase Everyone is an art director konzipiert und gestaltet. Die visuelle Studie über das Genre Facetten-Design ist inhaltlich ebenso opulent und vielseitig wie die Stilrichtung an sich. Wie Artschoolvets weiß, gibt es schon nächsten Monat ein weiteres Screenbook der Trendfahnder. Der Freund modernster Architektur, Kunst und futuristisch-funktionalem Design aller Disziplinen, kann sich auf eine lichtbrechende Entdeckungsreise begeben, ganze 217-Seiten lang.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, habe meine Augen nach Vertretern meiner Heimatstadt offengehalten und bin 2 1/2 mal fündig geworden. Die Agentur COORDINATION Berlin bespielt Ausstellungsflächen bis nach Peking. Sie sind mit ihren spiegelnden Polyedern in den Kapiteln Design und Space vertreten. Das Architekten-Team Raumlabor hat 2005 die Zwischennutzung des ehemaligen Palast der Republik als Volkspalast mitgestaltet. Ihr, zu diesem Zweck kreierter, Berg ist unter dem Projektnamen convertible city ebenfalls im Kapitel Space vertreten. Olafur Eliasson, der in Kopenhagen geborene Künstler isländischer Herkunft arbeitet von Berlin und Kopenhagen aus. Seine räumlichen Kunstwerke findet ihr im Kapitel Contemporary Art.

Basque Headquarter, Bilbao

Basque Headquarter, Bilbao

Please download here everyone-is-an-art-director—trend-book-1

via ARTSCHOOLVETS

 

Reactivate!


12.11.08

Aus alt mach anders. Der zweiteiligen Ausstellung „Reactivate” geht es genau darum. Das Espai d’ Art Contemporani de Castelló in der Nähe des spanischen Valencia zeigt die architektonisch/designerischen Wandelbarkeit von urbanem Raum an aktuellen Arbeiten europäischer Architekten.  Die Ausstellungsprojekte belegen, dass ein totgeglaubter Ort mit minimalen Mitteln zu neuem Leben erweckt werden kann. Die Limitiertheit der Möglichkeiten hat hier offensichtlich größte Inspirationsherde freigelegt. Herausragend ist die Arbeit des Architekturbüros Andrés Jaque Arquitectos. Das Madrider Architekten-Team war beauftragt worden, das alte Priesterseminar Casa Sacerdotal Diocesána de Plasencia in Wohnungen für Priesterrentner umzufunktionieren. Solch einen Auftrag kann man so angehen, oder so. Rein architektonisch, oder architekturpolitisch. Die Madrider haben mit ihrem Umbau für die zweite Herangehensweise geopted und den Umbau auch zu einer inneren und äußeren ‘politischen’ Angelegenheit der religiösen Gemeinde gemacht. So teilten die Architekten den alten Garten beispielsweise in gleich große Teile, einen für jeden Priester. Statt eines einheitlichen Gartens ist so der ‘politische Garten’ entstanden, in dem jedes Individuum losgelöst vom Konsens eigene Entscheidungen für sein Stück Land treffen muss.

Dieses und auch andere der ausgestellten Projekte sind kontextual eingebettet in den zweiten Teil der Ausstellung – die sogenannte Situative Architektur. Eines derer Kernmerkmale war und ist das „Détournement”, die Zweckentfremdung. Die Herangehensweise der Situatisten steht in starkem Kontrast zur gegenwärtigen Entwicklung des peinlich genauen Aufräumens, der Gentrifizierung der sozialen Annehmbarkeit der Ebene. Die gezeigten Arbeiten scheinen Fleischgewordene Theorie der Situativen Architektur geworden zu sein. Und man glaubt, dass “Reactivate” die ausgestellten Lo-Tech-Projekte aus voller Überzeugung zeigt.

 

Foldable Rooms by Kenchikukagu


29.10.08

Diese innovative Idee aus Fernost erinnert stark an futuristische Visionen der 50er Jahre. Kenchikukagu’s Architectural Furniture macht nicht nur Spaß, sondern ist hoch funktional, wie heutzutage ja fast alles. Die faltbaren Räume weisen den Weg in die Zukunft eines überbevölkerten Asiens mit Platzproblemen. Ab $7500 sind die Räume bei Amazon Japan zu kaufen.

Via: ISO50

 

Hongkong – Architecture of Density


26.10.08

Kein Anfang, kein Ende. Ein erdrückendes und zugleich faszinierendes Gefühl überkommt den Betrachter dieser großformatigen Fotografien von Michael Wolf. Der deutsche Fotograf, der in den USA und China lebte, begeistert mit seiner Ausstellung “Hongkong – Architecture of Density”.

6,700 Menschen auf einem Quadratkilometer, gigantische Plattenbauten, Dimensionen, die es wohl nur in China gibt. Auf seiner Website gibt’s all seine wunderbaren Fotografien nochmal zum Anschauen.

© Michael Wolf

© Michael Wolf
© Michael Wolf

© Michael Wolf

Via Pudri

 

Cape Schanck House


07.10.08

Das Cape Schanck House, entworfen von den Jackson Clements Burrows Architects, hat seinen Platz auf der Mornington Halbinsel in Victoria, Australien gefunden. Nach seiner Umgebung Cape Schanck, benannt, orientiert sich auch die Planung des Hauses an dieser.

© Jackson Clements

© Jackson Clements

Das Gebiet ist Teil der Victoria Parks, welches als Ausflugsziel besonders beliebt ist. Die Landschaft von Cape Schanck kennzeichnet sich durch wellenförmige, mit Gras bewachsene Dünen, durch Felsen und Basalt-Klippen und wild wachsende Teebäume.  

 

Wooden Skyscraper – A Masterpiece Might Be Destroyed


26.09.08

Dieser Artikel will von einem besonderen Hochhaus und seinem Erbauer berichten. Dem Wooden Skyscraper und Nikolai Sutyagin.

Laut Landesbauordnung definiert man ein Gebäude als Hochhaus, wenn der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt. Der Wooden Skyscraper, wie der Name schon sagt, besteht ausschließlich aus Holz und hat seinen Platz in Archangelsk, Russland gefunden. Mit 13 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 44 Metern überragt das Wunderwerk, das man zur Fantasy Architecture zählen kann, die Häuser seines Stätdtchens um Längen. Die Aussicht über die umliegenden, höchstens zweigeschossigen Gebäude und der Blick auf das weiße Meer waren dem Erbauer des Traumhauses enorm wichtig. Mit seinen eigenen zwei Händen kam er seinen Visionen immer näher. Nun thront dieser majestätisch – anmutende Wolkenkratzer nicht nur über dieser kleinen und ärmlichen, russischen Stadt, sondern auch in seiner Einzigartigkeit über die architektur-interessierte Welt.

Nikolai Sutyagin war mal ein großer russischer Unternehmer, der aus seinem Kapital ein florierendes Bauunternehmen entwickelte. Zu dieser Zeit träumte Nikolai von einem Holzhaus. Er begann mit dem Bau. Geplant waren zwei Stockwerke doch dann merkte Nikolai bald, dass er nie eine Aussicht nach seinem Geschmack genießen könne. So musste er höher hinaus. Er baute, steckte und zimmerte bis er sich 13 Stockwerke in den Himmel gearbeitet hatte. Gänzlich ungeplant und aus einer Sehnsucht nach Weite  entstand der Wooden Skyscraper.

Während der noch unvollendeten Konstruktion gerät Nikolai in Probleme. Einer seiner Mitarbeiter wirft ihm vor ihn geprügelt und eingesperrt zu haben. Der faszinierende und auch kontroverse Häuslebauer wird zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach zwei Jahren frühzeitig entlassen, steht er vor der Freiheit, seinem Traumhaus und dem Nichts. Die Jahre im Gefängnis kosteten ihn seine Existenz. Nun residiert der einst erfolgreiche Unternehmer, der schon seit Jugendjahren einen Hang zum Verbotenen hatte mit seiner Familie in dem unfertigen Schloss.

 

 

Casa 11 mujeres – 11 Töchter unter einem Dach


11.09.08

Cristobal Palma

Cristobal Palma

Der an der chilenischen See geborene Architekt Mathias Klotz entwickelte ein dreistöckiges Haus, welches an einem Küstenhang des Pazifik bei Beranda, Chile seinen Platz gefunden hat. Robust genug für die starken Meereswinde und 11 Töchter die darin mit ihren Eltern und Freunden ihre Ferientage verbringen werden. Mauern aus purem Beton gepaart mit Böden aus grobem Kalkgestein, schaffen ein kompaktes Wohnhaus, welches sich perfekt an die Hanglage zum Cachagua Strand anpasst und von jedem Zimmer eine traumhafte Aussicht auf das Meer bietet.

Cristobal Palma

Cristobal Palma

Geplant war das Haus als Ferienresidenz, welche den größten Komfort für alle bieten sollte. Die Eltern wollten einen Platz, der jedem ihrer Kinder gerecht wird, besonders in den schönsten Tagen des Jahres. So variiert das Alter der „11″ von acht bis zwanzig Jahren.  

 

Architektur neu interpretiert


02.09.08

Spanisches Strandhaus

Spanisches Strandhaus

Ein Gebäude ist nicht gleich ein Gebäude ist nicht gleich ein Gebäude. So zumindest könnte die Philosophie der Architekten/Künstler obiger Bauten lauten.
Architektur außerhalb gängiger Kategorien und Vorstellungen. Wie auf den Bildern zu sehen ist, muss der rechte Winkel nicht das Maß aller Dinge sein und Wände nicht immer gerade. Ein Gebäude kann trotz Statik dynamisch wirken und obwohl konstruiert, wie eine Felsenlandschaft erscheinen.

Funktionalität mag bei manchen dieser Konstruktionen etwas in den Hintergrund rutschen, aber diese ist bei Design sowieso nicht das non plus ultra. Visionäre Konzepte brauchen Freiheit.

Mehr ungewöhnliche und utopische Architektur bei DC’s.

 

CCTV und sein Avantgarde-Hauptquartier


06.08.08


Angesichts der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele, schießen in der letzten Zeit viele Aufsehen erregende Bauwerke aus dem Boden Pekings. Zu allererst wären da wohl die eindrucksvollen Sportstätten zu nennen: das Olympiastadion, bekannt als “Vogelnest“, nach dem Entwurf von Herzog & de Meuron oder die Austragungsstätte der Schwimmwettkämpfe, bekannt als ”Water Cube“, nach dem Entwurf von Chris Bosse. Doch nicht nur die Gebäude, in denen Sport gemacht wird, sorgen in der Pekinger Häuserlandschaft für Furore. Für das neue Bürogebäude des chinesischen Staatsfernsehens wartet der niederländische Architekt Rem Kohlhaas gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Ole Scheeren mit einem spektakulären Entwurf auf.  

 

Griezdale Farm by Philippe Rahm


31.07.08

It is told that the French writer George Perec considered the idea to have his living room in the Latin Quarter, his study close to the Champs-Élysées, his bedroom in Montmartre and his bathroom on the Île de la Cité.  The idea is that an apartment can be disseminated throughout the city of Paris, finding the rooms in various places, according to hours of the day, to the environment of the district, to the desires of the moment and the season. The thresholds between two rooms, normally a doorway of a few centimeters thick, dilates then over hundreds of meters. The apartment does not measure any more 50 square meters, but one or two square kilometers.

Basierend auf dieser Idee erbaute Philippe Rahm im Jahr 2006 das Projekt Griezdale artfarm in der englischen Grafschaft Cumbria. Sinn und Zweck war es, die gängige Vorstellung eines Hauses um viele Facetten zu erweitern. Im Ergebnis soll sich der Bewohner zu Hause am wohlsten fühlen und nicht mehr Cafes, Bars oder sonstige Lokalitäten aufsuchen, nur weil es sich dort zu dem Zeitpunkt besser verweilen lässt. Rahm sorgt für ideale Ausleuchtung und Zimmertemperatur, ohne auf technische Hilfen zurückzugreifen.

 

sculp(it): rechteckig, praktisch, gut.


17.07.08

Pieter Peerlings & Silvia Mertens des belgischen Architektenbüros sculp(it) wohnen und arbeiten in einem 12 Meter hohen Haus in Antwerpen dessen Maße 2,40 Meter(Breite) mal 5,50 Meter (Tiefe) betragen. Neben der Größe sticht die gläserne Fassade ins Auge, die Einblicke in das Leben der Architetkten erlaubt. “Live/work Space” (Eigen Woning + Kantoor) nennen sie das in die 4 Bereiche Büro (Erdgeschoss), Küche/Essenszimmer (1. Stock), Wohnzimmer (2. Stock) und Badezimmer/Schlafzimmer (4. Stock) unterteilte Haus.

Fotos: Luc Roymans

Via: Archinect