The Art of Chess – Schachspielvariationen


13.03.10

„The Art of Chess” ist eine Ausstellung die am 14. April 2010 auf der Mailänder Möbelmesse als Teil des  fuori salone, Schachspielinterpretationen bekannter zeitgenössischer Künstler zeigt. Künstler wie  Tracy Emin und Damien Hirst deklinieren das Thema Schach von provokativ-vulgär bis klinisch-minimalistisch in sieben Variationen durch.


‘modern chess set’, rachel whiteread 2005


‘mental escapology, damien hirst 2003


‘untitled’, barbara kruger 2006


‘chess set’, jack and dinos chapman 2003


‘amorphous organic’, alastair mackie 2008


‘untitled’, tom friedman 2005

Mehr Fotos hier

Neatorama

 

Michael Johansson – Spielzeugnostalgie für Ausgewachsene


08.03.10

Für alle äußerlich Groß Gewordenen, die in ihre Kindheit voller selbstvergessener Begeisterung unzählige Stunden, vertieft in ihren Fantasieterritorien, mit dem Zusammenbau von Modellsätzen verbracht haben und noch heute gerne an das Geräusch des Auseinanderknickens der Plastikrahmen denken, hier ein Stück Nostalgie im angepasst erwachsenen 1:1 Großformat. Fahrbare Untersätze sind seit jeher die Pioniere der Spielzeughierarchie, die Version des Schweden Michael Johansson kommt aber vergleichsweise designsicher in uni Farben daher. In den geschweißten Metallrahmen verstecken sich alle fortbewegungsrelevanten Utensilien vom Dieselmotor bis zur Fahrradklingel. Eine kleine Enttäuschung aber: Alters entsprechend darf nur betrachtet, nicht gebastelt werden!

designboom

 

Membrankunst – Hans Hemmerts Ballonskulpturen


04.03.10

Der in einer Fotoserie festgehaltene Schrumpfungsprozess selbstfahrender Artillerie, sagt schon eine ganze Menge über die Intentionen des Künstlers Hans Hemmert aus.  Seine materielose Materialauswahl sorgt dafür, das seinen Skulpturen sehr bald die Puste ausgeht, dank der angreifbaren Membran die ihre Einzelteile umgeben. So werden aus aktiven Zerstörern und steinernen Dogmen markante, metaphernreiche Gebilde, errichtet aus handelsüblichen Luftballons, die von properen Luftschlössern zu jämmerlichen Häufchen mutieren.

Im wahrsten Sinne des Wortes: BOOOOOOOM!

 

Kreatives Gegengift für verstaubte Fassaden


02.03.10

Mentalgassi ist eingefleischten TheJunction-Lesern natürlich ein Begriff. Im Mai letzten Jahres berichteten wir über die Berliner Streetart-Künstler, die deutsche Großstädte mit Fotoplakaten verschönern und dabei heimlich Straßenschildern, Recyclingcontainern und Fahrkartenautomaten ein Gesicht verleihen. Hier ein paar Einblicke in die kreativen Köpfe sowie noch mehr Arbeiten der talentierten Straßenkunstakteure:

Im Rahmen der Berliner Fashion Week versammelten sich ab dem 21. Januar dieses Jahres Designinteressierte, Kunstliebhaber und Kunstschaffende, so auch die Jungs von Mentalgassi, zwischen Backsteinfundament und Holzbalken zum kreativ interaktiven Aufeinandertreffen und Feiern, initiiert von Converse in Kooperation mit dem Lodown Magazin. Die kahlen, bröckeligen Wände eines entkernten Berliner Altbaus wurden während der siebentägigen Veranstaltungsreihe mit dem interaktiven Motto ,,You´re here“ zu kreativen Luftschlössern verwandelt. Aus einer Portion Farbe, künstlerischem Mut und Ideenreichtum entstanden Wandillustrationen, wie beispielsweise die des Kölner Künstlers HerrSchulze, der mit einem überdimensionalen Malen nach Zahlen Berlinbild zum Mitmachen anregte und kreativ versierten Menschen, sowie solchen, die davon noch nichts wussten, die Angst vor dem weißen Blatt der weißen Wand nahm und dem ein oder anderen Sternstunden im Bereich schöpferische Selbstverwirklichung verschaffte. Wie ein kreatives Kontrastmittel wirkte das bunte, lebendige Wandbild im Gegensatz zur Umgebung aus Verfall und alter Fassade und regte zu neuem Schaffen an.

Am Ende des siebentägigen Events durfte zusammen mit dem Broken Hearts Club und Bodi Bill frei nach dem Motto ,,Tear Down“ noch mal ordentlich gefeiert, geschmiert oder gemalt werden. Anschließend verabschiedete sich die interaktive Partyreihe nach London, Paris und Mailand. Die kreativen Ergüsse der jeweiligen lokalen Künstler und weiterer noch unbekannter, aber talentierter Kreativer kann man übrigens auch online bestaunen. Eine Reihe von Kurzfilmen, wie der von mentalgassi, zeigt die individuellen Inspirationen, die gestalterischen Prozesse der jungen Schaffenden, macht deutlich, was Kreative verschiedener Nationalitäten, unterschiedlicher Kontinente prägt. In naher Zukunft soll hier ein inspirierendes Künstlernetzwerk für kreative Köpfe der ganzen Welt entstehen, das die Lokalkünstler, die vorgestellten jungen Artists, Talente von bildender bis darstellender Kunst schöpferisch vereint – es bleibt spannend.

Converse

 

Feingefühl für Fisch – Paramodels Sushimobile


26.02.10

Nein, mit Essen spielt man nicht. Zum Glück sind die japanischen Leckerlies auf dem Rücken der Spielzeugtrucks nur aus Plastik. Zum Aufessen wären die kleinen Kunstwerke aber erstens sowieso zu schade und mit ca. 270 $ pro Auto auch recht kostspielig. Die Mini LKWs, übrigens eine bekannte japanische Spielzeugautoserie namens ,,Tomica“, wurden vom japanischen Design Duo Paramodel aus Osaka, Tokio mit Aal und Kugelfisch beladen. Yasuhiko Hayashi und Yusuke Nakano zeigen bei ihren Teller-Truck Installationen schmackhaftes Feingefühl – ein Einklang aus Form, Farbe und Fisch.

Das spielzeugfanatische Designduo hat nicht nur Autos, sondern auch Eisenbahnschienen ausgekramt. Was von weitem aussieht wie quirlige Farbadern sind tatsächlich tausende, kleine, blau kolorierte Schienenteilchen, die sich über Dielen und Decken, Wald und Wiesen schlängeln. Wer genauer hinsieht, entdeckt vielleicht auch Bahnhöfe oder Weichen zwischen Blattwerk und Heizungsrohr – good luck!

meterdown, pingmag

 

Gemüsekunst trifft Installationsspektakel


23.02.10

Maiskolben, Opas Aktenkoffer, Schaufensterpuppen, überdimensionale Styroporeier –  was auch immer der schwedische Künstler Carl Kleiner anfasst, irgendwie gerät es in einen kreativen Zusammenhang. Diesem Phänomen könnte die Tatsache zugrunde liegen, dass seine Arbeiten gleichermaßen aus Collage und Fotografie bestehen. Diese furchtbare Vielseitigkeit führt einen auch in seinem Portfolio von der Gemüsekunst über Modefotografie bis hin zum Installationsspektakel – kurios kunterbunt. Übrigens habe ich mich heimlich in den Zwiebelelefanten verliebt.

pitchdesignunion und etoday

 

Drillcores – Sinta Werners & Markus Wüstes Wandausschnitte


22.02.10

Sinta Werner beschreibt selbst am Besten, was es mit diesen „Ausschnitten“ auf sich hat, die sie in Zusammenarbeit mit Martin Wüste aus Baumaterialien zu Bohrkernen montiert hat:

In meinen malerischen und architektonischen Installationen gibt es fast immer einen festen Betrachterstandpunkt, von dem aus der Raum verflächigt wird und bildhaft erscheint. Verläßt man diesen Punkt, wird die Illusion von Flächigkeit entlarvt. Das Zusammenspiel von Ausstellungsraum und zusätzlich eingebauten Architekturelementen erscheint nun instabil, kubistisch aufgebrochen und fragmentiert. Im Mittelpunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung steht das Interesse für Raumwahrnehmung und ein durch diese ausgelöstes Gefühl von Irritation, Desorientierung und Schwindel. Bei den installativen Arbeiten reagiere ich auf die vorgefundenen Räumlichkeiten, indem ich diese spiegele, verdoppele oder fremde Architekturbestandteile hinzufüge. Dazu verwende ich Mittel, die einer zentralperspektivischen Konstruktion entsprechen, sowie anamorphotische Prinzipien und Camouflage.

today and tomorrow

 

Patriotische Eicheln und andere Wald- und Wiesenfunde


21.02.10

Pünktlich zum langersehnten Ereignis – heute fühlte ich mich zum ersten mal seit Monaten zu warm angezogen  – finde ich diese bezaubernden Fotos. Die von Norm Magnusson bunt bemalten Blätter, Zweige, Samen und Bäume stechen hervor ohne optisch vereinnahmend zu sein, das mag ich besonders an diesen Objekten. Jedes einzelne Stück wirkt wie ein verborgener Schatz, den zu finden, glücklich macht. Genauso stelle ich mir den ersten Schneeglöckchen- oder Krokussfund dieses Jahres vor.

Der Künstler Norm Magnusson, nimmt seine unscheinbaren Fundstücke – ausser den Bäumen, nehme ich an – mit ins Atelier und macht farbenfrohe Hingucker aus ihnen. Fotografiert werden sie in ihrer natürlichen Umgebung. Dazu bringt er sie zurück an ihren Fundort und fixiert sie so das sie wirken als ob sie nie entfernt wurden.

Auf dem Blogspot des Amerikaners kann man zu jedem Foto der Reihe Decorating Nature Kommentare lesen, die die einzelnen Exemplare näher beschreiben. Hier ist die Rede von der patriotischen Eichel, dem mit Insekteneiern befallenen Blatt, den aus Bedürfnis nach Wärme kuschelnden, nackten Baumstämmen. Die zarten, charakteristischen Merkmale der jungen Birke, werden zum markanten Zebramuster stilisiert und das Rhododendronblatt zeigt auf einmal, anstatt dem satten, einheitlichen Grün ein aufgepixeltes Farbschema.

designaside

 

Morells Fotoprojektionen oder die Magie der Lochkamera


13.02.10

Die Zimmer sind an sich kahl, weiße Wände, kaum Dekoration, wenig Möbel – typische Studentenbuden mag man sagen. Abelardo Morell taucht diese mit Hilfe des Camera Obscura Effekts in Projektionsflächen, Projektionsflächen für die Sehnsucht nach Ferne. Als wären die Wände Türen, tritt man in die Außenwelt ein. Mit viel Feingespühr hat Morell die Bilder ausgewählt. Er hat in die tiefe Seele der Räume geblickt und kennt jetzt ihren Charakter wie niemand anderes. Natürlich weiß er, dass jedem Zimmer nur ein ganz bestimmtes Bild gefällt und in welcher Stadt sie leben weiß er auch. Gegenstände, die sich im Raum befinden, verbinden sich mit den Projektionen. Muster überlagern sich und Möbel, Bilder, Strukturen werden Teil der Installation, in die man eintaucht. Innen- und Außenwelt, Realität und Fiktion werden eins – und das alles mit einer Lochkamera.

Central Park Looking North, New York

Santa Maria Della Salute, Venice

Grand Canal With Bridge

View of Volta del Canal, Venice

Bei längerem Hinsehen kann sich eine gewisses Gefühl von Unruhe und Beklemmnis einstellen. Der erneute Beweis dafür, dass unsere Wahrnehmung nach Ordnung strebt – upside down Projektionen also ausgeschlossen. Das kann man aber sicher üben, wie mit dem Gleichgewicht und Karussell fahren.

Gesehen auf TheNewYorkTimesStyleMagazine und Everyoneisanartdirector

 

Metastadium – das Musée René Magritte


12.02.10

Normalerweise stelle ich hier die Ausstellung in einem Museum vor, nicht aber seine renovierungsbedingte äussere Verkleidung. Wenn diese Verkleidung allerdings so spektakulär war, wie die des Brüsseler Musée Magritte muss ich eine Ausnahme machen. Gleich vorweg, das Künstlermuseum feierte im letzten Jahr Eröffnung und damit wurde auch der Sichtschutz entfernt. Er ist nur noch auf Fotos zu sehen. Die Plane stellt nichts Anderes dar, als den klassizistischen Dreigeschosser den sie verbirgt, nur öffnet sich die Fassade wie ein Theatervorhang, einem der bekanntesten Gemälde des belgischen Surrealsiten René Magritte: L’empire des lumières. Nach einem Jahr Renovierungsdauer, im Juni 2009, eröffnete das ehemalige Hôtel Altenloh als Museum. Der Fokus liegt nun auf der inneren Schönheit, nach Wegnahme der in Magritte Manier gestalteten Plane, entpuppt sich das Gebäude rein äusserlich als etwas blass. Das Museum beherbergt 200 Werke des Künstlers und stellt somit weltweit die größte René-Magritte-Sammlung dar.

Wonderland, NZZ Online

 

Ordinär ist anders – Tara Donovan bringt Pappteller zum Leben


09.02.10

Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit, Individualität und Einmaligkeit: Das sind die neuen Tendenzen. Tara Donovan weiß das schon seit einem Jahrzehnt und recycelt Alltagsgegenstände zu Kunst, verwandelt ordinäre Massenprodukte zu Unikaten. Pappteller, Plastikbecher, Knöpfe und Klebeband: Dinge, die wir als einzelne Gegenstände täglich wahrnehmen. Durch Akkumulation wachsen sie zu futuristisch, lebendigen Landschaften – eine Metamorphose aus industrieller Produktion und organischer Formgebung aus New York.

Wolke aus schätzungsweise 735620 Plastikbechern und 289 Tuben Kleber.

Strohhalme gestapelt.

Knöpfe und Kleber.

Pappteller und Kleber.

Bleistifte und Kleber.

Gerissen und gestapelte Dachpappe.

butdoesitfloat

Acegallery

 

Challenge the Ordinary – Installationskunst von Lina Jaros


08.02.10

Das sind nicht einfach nur schöne Fotos. Lina Jaros will uns herausfordern, stellt unsere Phantasie auf die Probe – oder vielmehr unser Schubladendenken. Mit einer klaren Vorstellung von Realität begegnen wir unserer alltäglichen Umgebung, bewerten alles nach dem Parameter Logik. Doch was passiert, wenn Gegenstände ihrer alltäglichen Umgebung entlaufen, wenn unsere visuellen Sinneseindrücke nicht mehr in Schubladen zu verstauen sind. Die schwedische Künstlerin will kategorisches Denken aufbrechen und lädt zur Neuinterpretation unserer Wahrnehmung ein, denn wer hat überhaupt gesagt, dass pinke Socken nicht an Bäumen wachsen?

Lina Jaros Arbeiten sind von Juni bis September 2010 in der Odenplan Subway Station in Stockholm ausgestellt.

We Looked Like Giants

 

Prädikat Zukunft – Die transmediale.10


07.02.10

Den Helm mit rosa Atemflüssigkeit gefüllt, taucht Virgil Brigman hinab in die Meerestiefen des Kaimangrabens, in eine beklemmende Dunkelheit, in der das nukleare Verderben tickt, von Menschenhand erschaffen. Seine Mission ist eine Reise ohne Rückfahrkarte, seine Vision eine Welt in Frieden oder wenigstens, die Rettung seiner Besatzung und der freundlichen Wesen, die ihnen dort unten ständig begegnen. Das fluoreszierende Licht im Dunkel, die immaterielle Anwesenheit von Energie, die friedliche Stille, die ihn nach 139 Minuten Filmdauer, auf leuchtenden Schwingen in eine Zukunft mit Happy End rettet, haben mich damals fasziniert und The Abyss, ein Science Fiction Film, der das sonst genretypische Zukunftsszenario, mit einer fast ebenso unbekannten Tiefseeumgebung ersetzt, hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt.

Letzte Woche im Haus der Kulturen der Welt: frei von fiktionalem Pathos und doch ergreifend – hier rosa Flüssigkeit in Rundkolben, dort tiefste Dunkelheit, fluoreszierendes Licht, elektrizitätsschwangere Luft und jede Menge Stille, unterbrochen von einem immer wiederkehrenden Ton. Um die Ecke ein voller Kinosaal, alle paar Minuten ein cineastisch unterschiedlich umgesetztes Leitthema und ein paar Türen weiter, eine Wand in einem großen, dunklen, leeren Raum, über Tage hinweg dieselbe analoge Installation zeigend: horizontal aufgespannte Videobänder, vor weißem Licht ventilierend.

Die Übersichtlichkeit des Foyers entließ die Besucher in Räume, in denen dekorativer Kabelsalat, flimmernde Monitore und eine zwanglose Sitzordnung, die produktive Atmosphäre bestimmten. Computerkunst-Pionier und Ars Electronica Linz Gründer Herbert W. Franke referierte einleitend über alte visuelle und werteabhängige Vorstellungen von Zukunft, während die junge Redakteurin eines Internetfernsehsenders ihr mitgebrachtes Frühstück verzerrt und sich wirklich niemand daran störte.

In diesem Jahr bilanzierte die transmediale ehemalige Vorstellungen vom Jahr 2010, Welches lange als Inbegriff für Zukunft galt. Darüber hinaus, schuf sie ein multidisziplinäres Forum, das sich den tatsächlichen Entwicklungen annahm. Ein Themenschwerpunkt widmete sich Kreativität und Kultur als wirtschaftlich relevanten Faktor. Mit Workshops und Vorträgen wurde vermittelt und erörtert, wie man dieses Potential organisiert und dauerhaft tragfähig macht. Die Sprecherlisten der Konferenz Future Observatory waren lang, der Zeitstrahl für einen einzelnen Programmpunkt ging manchmal über die Horizontale einer ganzen Programmheftseite, man musste Zeit mitbringen und wirkliches Interesse. Künstler, Wissenschaftler, Philosophen, Pioniere, Designer und Medienaktivisten aus aller Welt, trafen in der Futurity Long Conversation aufeinande um vor einem internationalen – und das ist keine Floskel, die Sprache die ich am meisten gehört habe, war gebrochenes Englisch – Publikum ihren heutigen Blick auf die vergangenen und gegenwärtigen Zukünfte zu diskutieren.

Eingetaucht in Stille und Dunkelheit das Herzstück des Festivals – die Ausstellung Future Obscura – zugegeben, mein Staunen stellte sich erst ein, als ich das Konzept hinter den Exponaten ansatzweise begriffen hatte. Anfangs befremdet vom Geruch nach Strom und warmen Metall, musste ich mir auch hier Zeit nehmen um mich auf die Interaktion mit ihnen einzulassen. Wie bizarre Tiefseelebewesen bedurften viele der Ausstellungsstücke der Dunkelheit um ihre visuelle Wirkung zu entfalten und ihre Funktion übernehmen zu können.

Das heutige Verständnis von Arbeit wurde analog als traditionelle Biete-Suche-Tafel veranschaulicht als Teil des Future Exchange,  beherbergt von einem mehrkammerigen Konstrukt, spartanisch in mausgrau gestrichen und realisiert vom Architektenteam Raumlabor. Hier wurde Google zum Trotz, an alternativen Suchmaschinen geschraubt, kleine Robotoren entstanden aus Erdnuss und -Mischgemüsedosen wie nebenbei. Fair Trade innerhalb sozialer Netzwerke betrieben, wurde bei einer  Tasse Tee mit Kardamom, gebrüht auf der Heizfläche eines Bügeleisens, im Feral Trade Cafe erklärt, während man, verborgen hinter den umfunktionierten Türen, einem Tausendjährigen Stück lauschen konnte. Über den gesamten Festivalzeitraum hinweg, fanden hier Workshops statt.

Unsere Zukunft ist eine unvermeidbare Mission ohne Rückfahrkarte. die transmediale hat in diesem Jahr dazu eingeladen, sich ernsthaft und auf hohem Niveau mit vergangenen Visionen und entstandenen Tatsächlichkeiten auseinanderzusetzen, auf deren Grundlage unsere Zukunft entsteht. Mein Fazit: Hingabe und Zeit, sowie ein spezielles Interesse an  Technik, moderner Ethik und neuen Strukturen hinsichtlich kultureller Organisation, sind das Pfand, welches man einzahlt um aus den Vorlesungen, Gesprächen und Workshops Nutzen zu ziehen. Die gesamte visuelle Aufbereitung des Festivalthemas allerdings,  ist  sehr empfehlenswert für Kenner wie Nichtkenner. Definitiv ist man auf der transmediale um zu sehen, nicht um gesehen zu werden, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Bis heute Abend um 23:00 läuft das Festival noch im HKW-Mutterschiff, die Ausstellung Future Obscura wird bis zum 09.02.2010 verlängert, die Einnahmen der beiden Tage, kommen den Erdbebenopfern in Haiiti zugute. Die Satelliten die das Festival begleiten, laufen noch unterschiedlich lange bis Ende Februar.

Mitgestaunt und wieder hervorragend fotografiert hat Julius Höhne. Herzlichen Dank!

Fotos: © Julius Höhne

 

Orientation in Thinking – DLD Session „map your future“


26.01.10

Das letzte Panel „Maps for the 21st Century“ des gestrigen Tages auf dem DLD (Digital, Life, Design Kongress) drehte sich um Orte, Daten und ihre Visualisierung in einem künstlerischen und wissenschaftlichen Kontext. Somit hob sich diese Session etwas von den anderen Panels ab, die sich unter Anderem den Themen Marken und Märkte, Content (im Sinne von journalistischen und informativen Inhalten im Internet),  Daten und Identität in sozialen Netwerken widmeten. Das Panel mit dem Slogan „Map Your Future“ basierte auf einer Projektinitiative des Schweizer Kunstkritikers, Kurators und Galeristen Hans Ulrich Obrist, der international bekannte Künstler dazu aufgerufen hat ihre Vorstellungen von Ort mit den Möglichkeiten der digitalen Techniken in Postern zu verarbeiten. Die Vorstellung Ort wurde dann auch vielfältig interpretiert. Die Videokünstlerin Rosa Barda geht in ihrer Arbeit von Fakten aus, die sie fiktiv weiterentwickelt. Für das Projekt beschäftigte sie sich mit Inseln, die ihre geografische Lage verändern und damit einen Teil ihrer Identität einbüßen. Sie hat zu diesm Fakt Spezialisten interviewt, die nach Maßnahmen gegen diesen Zustand forschen und diese in Videos dokumentiert.

der Mediziner Josef Penninger, erforscht die Ursachen von Krankheiten wie Adipositas, Arthritis und Osteoporose. Er hat eine funktionale Landkarte der genetischen Welt entworfen.

Aaron Koblin nutzt soziale Daten wie Flugverkehr und Kommunikationsverkehr für digitale Visualisierungen, die eine Schnittstelle von Kunst und Information schaffen.

Der Filmemacher Alexander Kluge referierte über die Subjektivität von geografischen Daten anhand eines kurzen geschichtlichen Abrisses der geografischen Kartografie. Seine Herleitung zeigte die starken Veränderungen auf der Weltkarte, die grundsätzlich Folge von Expansion, Kolonisation und der Verschiebung von politischen Machtverhältnissen seien. Für ihn existiert keine objektive Verortung anhand von Landkarten. Er sagte, alles was man brauche um einen Ort zu finden, sei ein funktionierendes GPS-Gerät. Er lenkte das Augenmerk auf uns Menschen, die er metaphorisch als wandelnde Landkarten ihres eigenen Lebens bezeichnete.

Der Designer und Stamen-Gründer Eric Rodenbeck zeigte Karten, die Kriminalität in San Fransisco verorten.

Die diesjährige DLD Konfernz geht heute in die dritte und letzte Runde, man kann sie über einen Live Blog verfolgen. Der Twitter hashtag #dld10, ist für Hintergrundinformationen und Livekommentare der Teilnehmer empfehlenswert. Reuters Livestream überträgt die Keynotes live.

Hintergrundinformationen zum Projekt und die Künstler

 

DLD Panel „Map your Future“ – Aaron Koblin


25.01.10

Hier ein Vorgeschmack auf den morgigen, ausführlicheren Artikel zum heutigen DLD Panel „Map Your Future“. Aaron Koblin, Technischer Leiter des Google Creative Lab, visualisiert Daten, die wir generieren in dem wir telefonieren, SMS versenden oder mit dem Flugzeug fliegen. Das ist nicht Jedermanns Sache, trotzdem hat Koblin auf dem eben beendeten Panel, spontanen Szenenapplaus bekommen. Erstes Video macht aus der Flut an SMS Nachrichten, die an Silvester aus Amsterdam versendet wird, ein regelrechtes Datenfeuerwerk. Zweites Video visualisiert den Flugverkehr über Nordamerika. Das Foto oben ist ein Still aus dem Video zum Radiohead Titel  House of Cards, dazu morgen mehr.