Glas ist viel mehr als ein amorphes Mineralgebilde aus dem sich nach einigem handwerklichen Aufwand bequem und stilvoll trinken lässt, unter dem sich mit günstigen Bedingungen Mikrowelten erschließen und durch ungünstige Umstände Flächenbrände entfachen lassen, es ist ein Stück Kulturgeschichte! Zum ersten Mal deutlich bewusst geworden ist mir das auf einer Reise durch den Nahen Osten, Mitte der 90iger Jahre, auf der mir in etlichen verlassenen Ausgrabungsstätten alter Philistersiedlungen, nach ein wenig Graben, opake, ölig schillernde Glasscherben in die Hände fielen, deren Herkunft und Alter ich mir nur schwer erklären konnte. Einige Tage später bei einem Abstecher in die Kunsthandwerksgasse von Jerusalem fand ich mein altes, bestauntes Glas wieder, gefasst in bizarr geschmiedetes Silber, mondän und leicht zugleich, ein Bindeglied zwischen Antike und Moderne. Seit dem ist Glas neben Papier mein Lieblingsgeheimnis, etliche Möglichkeiten bewahrend, die Handwerk, Kunst und Design bereichern.
Andreas Brandolini
Ab morgen kann man im Berliner Kunstgewerbemuseum am Potsdammer Platz eine gläserne Rezeption auf traditionelle Glasdekortechniken erleben. 600 Prototypen von 80 Designern sind das Ergebnis eines 3-jährigen Forschungsprojekts des Centre International d`Art Verrier (CIAV) im lothringischen Meisenthal und der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken. Im Rahmen einer Wanderausstellung werden die Arbeiten nun in Berlin gezeigt. Zu den Entwürfen zählen sowohl solche von namhaften Gestaltern, wie James Irvine oder Werner Aisslinger als auch studentische Arbeiten. Die Tradition der saarländischen und lothringischen Glasverarbeitung reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde in der Glashütte in Meisenthal (Lothringen) eine Vielzahl der Jugendstilgläser von Emile Gallé (1846-1904) produziert.
Werner Aisslinger
Carsten Feil
Jerszy Seymour
Hyun Ju Do
Sarah Krieger
Fotogalerie der Decorum-Ausstellung in der Glashütte Meisenthal.