Meine erste Begegnung mit NOMAD, dem durch seine Karriere als Sperrmüll-und Hauswandveredler ein gewisser Ruf vorauseilte, der auch mich erreichte, die sich mit Street Art nur im Vorbeigehen befasst, fand 2008 in dem Showroom statt, für den ich damals Ausstellungen organisierte. Kurz vorher rief er an, um mitzuteilen, das er mal vorbeischaut, „die Location zu checken und so“, um dann seinen Beitrag zur geplanten Ausstellung anzufertigen, das war ein Tag vor der Vernissage. Nomad sah besser aus als ich dachte und war leichter zu händeln als vermutet. Am Tag darauf kam er mit seinem Bild, Kohle auf Packpapier, quasi Lebensgröße, nackter Mann in hockender Pose, die Hände verzweifelt vor dem Gesicht verschränkt, den Pimmel empfindlich entblößt im Zentrum des Bildes, eingerahmt von sorgfältig gezeichneten Füßen. Ein anderes Beinpaar streckte sich über seinem Kopf wie ein Geweih. Das Bild, direkt nach der Eröffnungsrede verkauft, war zum Heulen schön, nicht alles richtig gemalt, ein Rumprobieren noch, aber mit einer emotionalen Ansprache, deren Intensität auf mehr hoffen ließ. Beim Kaffee, vor dem Bild hockend eingenommen, fanden wir heraus das wir einige Allergien gemeinsam haben und ich erklärte schüchtern meine Sympathie mit dem Typen der I LOVE YOU an die Hauswand malte, die ich sehe wenn ich gemeinsam mit zu vielen leeren Gesichtern und ihren Tageszeitungen, mit der U1 fahre. Meistens fühle ich mich von der Aussage des Schriftzugs nicht angesprochen aber berrührt. Er musste dann noch mal weg. Von der Baustelle nebenan besorgte er sich schmale Reste von Rigipsplatten um das Bild aufzuspannen, griff zu Bohrmaschine und Dübel, jeder Handgriff saß, Perfektion im Umgang mit dem Unvollkommenen sprach aus dem was er tat und wie er es tat.
Der Schritt von der Straße in die Galerie, schon vorher vollzogen, sollte von Dauer sein. Nicht alles was NOMAD künstlerisch ausdrücken kann, passt in korrekte Outlines, passt an eine Häuserwand, auf einen Fernseher oder ein ausrangiertes Möbelstück. Die schnelle Arbeitsweise, die Leidenschaft, die pointierten Aussagen hat er mitgenommen, seine grafischen und typografischen Gewohnheiten mit Malerei gepaart, die den Menschen und seine Eigenarten zum Anlass nimmt, überhaupt erst zum Pinsel zu greifen.
Heute öffnet NOMADS erste Solo-Ausstellung in der Circle Culture Galerie. Geht hin, es wird voll, es wird ein Rausch, es wird lustig und ihr werdet einen Künstler erleben von dem wir noch hören werden.
NOMAD: „ Rainbow Coloured Tears of a Clown“
VERNISSAGE: 30. OKTOBER 2009, 19:00 UHR
AUSSTELLUNG: 31. OKTOBER BIS 9. JANUAR 2010
ÖFFNUNGSZEITEN: DIENSTAGS BIS SAMSTAGS, 14 BIS 18 UHR
LOCATION: CIRCLECULTURE Gallery, Gipsstraße 11, 10119 Berlin