Hello Kitty — eine Konsumlegende wird 35
Hello Kitty, die Religion meiner post-postpubertären Phase, fanatisch zelebrierte Sammelleidenschaft, mit Comic-Pflastern auf völlig unversehrter Haut festgeklebtes Kindchenschema, meine Erleuchtung aus Plastiklampen in Kätzchensillouette, wird 35 und viele ihrer AnhängerInnen mit ihr. Die Phase ist längst Geschichte und im Laufe der Zeit ist mein, durch Anfälle von Kaufsucht und Geschenke wohlwollender Freunde, stetig gewachsener Bestand an Nippes, Stück für Stück in den Spielzeugkisten meiner Tochter und anderen schwarzen Löchern verschwunden. Royal/T in L.A. widmet der Sanrio-Ikone anlässlich ihres Geburtstags eine Ausstellung, an der sich 80 Künstler beteiligt haben, die zweierlei verbindet, die Liebe zu Hello Kitty und die heimlich gehüteten… [weiterlesen]
Kloppe und Brüsseler Spitzen — Sandrine Pelletier
Die Schweizerin Sandrine Pelletier versteht es aufs Allerbeste mit Spitzen, feinem Garn, unterschiedlichen Stoffen und menschlichen Abgründen, ein lebendiges, erschreckendes und zugleich versöhnliches Portfolio bemerkenswerter Arbeiten zu knüpfen, dem es nicht an einer ordentlichen Portion Sarkasmus fehlt. Sicherlich gewöhnungsbedürftig ist ihr Anspruch dem Ordinären, mit einem passenden Rahmen aus zarter Spitze, die Krone aufzusetzen. Ihr Spektrum reicht von Gobelins, Installationen, über Ausstattungen für blutrünstige Metalband-Videos, bis hin zur Entfremdung von Alltagsgegenständen, die sie mit dem richtigen Inhalt und ein paar Seidenfäden bestickt, als apokalyptische Reiter durch die heimelige Stube preschen lässt. Wer mehr sehen möchte geht hier hin. Für Hartgesottene… [weiterlesen]
I Heart Glass — Decorum im Kunstgewerbemuseum
Glas ist viel mehr als ein amorphes Mineralgebilde aus dem sich nach einigem handwerklichen Aufwand bequem und stilvoll trinken lässt, unter dem sich mit günstigen Bedingungen Mikrowelten erschließen und durch ungünstige Umstände Flächenbrände entfachen lassen, es ist ein Stück Kulturgeschichte! Zum ersten Mal deutlich bewusst geworden ist mir das auf einer Reise durch den Nahen Osten, Mitte der 90iger Jahre, auf der mir in etlichen verlassenen Ausgrabungsstätten alter Philistersiedlungen, nach ein wenig Graben, opake, ölig schillernde Glasscherben in die Hände fielen, deren Herkunft und Alter ich mir nur schwer erklären konnte. Einige Tage später bei einem Abstecher in die Kunsthandwerksgasse… [weiterlesen]



