Kreatives Gegengift für verstaubte Fassaden


02.03.10

Mentalgassi ist eingefleischten TheJunction-Lesern natürlich ein Begriff. Im Mai letzten Jahres berichteten wir über die Berliner Streetart-Künstler, die deutsche Großstädte mit Fotoplakaten verschönern und dabei heimlich Straßenschildern, Recyclingcontainern und Fahrkartenautomaten ein Gesicht verleihen. Hier ein paar Einblicke in die kreativen Köpfe sowie noch mehr Arbeiten der talentierten Straßenkunstakteure:

Im Rahmen der Berliner Fashion Week versammelten sich ab dem 21. Januar dieses Jahres Designinteressierte, Kunstliebhaber und Kunstschaffende, so auch die Jungs von Mentalgassi, zwischen Backsteinfundament und Holzbalken zum kreativ interaktiven Aufeinandertreffen und Feiern, initiiert von Converse in Kooperation mit dem Lodown Magazin. Die kahlen, bröckeligen Wände eines entkernten Berliner Altbaus wurden während der siebentägigen Veranstaltungsreihe mit dem interaktiven Motto ,,You´re here“ zu kreativen Luftschlössern verwandelt. Aus einer Portion Farbe, künstlerischem Mut und Ideenreichtum entstanden Wandillustrationen, wie beispielsweise die des Kölner Künstlers HerrSchulze, der mit einem überdimensionalen Malen nach Zahlen Berlinbild zum Mitmachen anregte und kreativ versierten Menschen, sowie solchen, die davon noch nichts wussten, die Angst vor dem weißen Blatt der weißen Wand nahm und dem ein oder anderen Sternstunden im Bereich schöpferische Selbstverwirklichung verschaffte. Wie ein kreatives Kontrastmittel wirkte das bunte, lebendige Wandbild im Gegensatz zur Umgebung aus Verfall und alter Fassade und regte zu neuem Schaffen an.

Am Ende des siebentägigen Events durfte zusammen mit dem Broken Hearts Club und Bodi Bill frei nach dem Motto ,,Tear Down“ noch mal ordentlich gefeiert, geschmiert oder gemalt werden. Anschließend verabschiedete sich die interaktive Partyreihe nach London, Paris und Mailand. Die kreativen Ergüsse der jeweiligen lokalen Künstler und weiterer noch unbekannter, aber talentierter Kreativer kann man übrigens auch online bestaunen. Eine Reihe von Kurzfilmen, wie der von mentalgassi, zeigt die individuellen Inspirationen, die gestalterischen Prozesse der jungen Schaffenden, macht deutlich, was Kreative verschiedener Nationalitäten, unterschiedlicher Kontinente prägt. In naher Zukunft soll hier ein inspirierendes Künstlernetzwerk für kreative Köpfe der ganzen Welt entstehen, das die Lokalkünstler, die vorgestellten jungen Artists, Talente von bildender bis darstellender Kunst schöpferisch vereint – es bleibt spannend.

Converse

 

NYC-Fashion Week – Performance by Nicholas Petrou


16.09.09

Der New Yorker Nicholas Petrou, Modedesigner zypriotischer Herkunft, hat seine diesjährige NYC-Fashionweek Performance auf den Visuals seiner Menswear Kollektion für S/S 2010 aufgebaut. Die durch Illustrationen von Sirichai inspirierten Fotokollagen aus Dress und Photoshop-generierten Patterns, hat er für den Laufsteg mit Ganzkörperanzügen realisiert, deren Alloverprints die Muster aus dem Lookbook zitieren.

gesehen bei unnouveauideal

 

TheJunction X Fashion Week Berlin II


06.07.09

Anna Wintour:

“There is something about fashion, that can make people really nervous!”

Warum? Keine Ahnung. Vielleicht liegt es an dieser Zahl: 300 MILLIARDEN. Dreihundert Milliarden Dollar beschreibt die Summe dessen, was die globale Modeindustrie jährlich ausspuckt. Und ungeachtet der Tatsache, dass wohl jeder Designer gerne von sich behaupten würde, dass er frei von wirtschaftlichem Druck seine Kollektion präsentiere, war auch in Berlin spürbar, dass Mode mehr ist als die Summe kreativen Schaffens.

Denn in der Tat, die Nervosität war allgegenwärtig. Bei gefühlten 30 °C und einer mehr als anstrengenden Luftfeuchtigkeit ging das Modespektakel am Bebelplatz, mit der Show von Kai Kühne, erfolgreich zu Ende.

Kai Kühne:

Mit insgesamt 33 Laufstegschauen, sechs Präsentationen und Events verzeichnete die fünfte Mercedes-Benz Fashion Week Berlin einen neuen Rekord. „Die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin ist eine Erfolgsgeschichte“, so Anders Sundt Jensen, Leiter Markenkommunikation Mercedes-Benz Cars. „Bei jeder Veranstaltung kommen mehr Designer, Zuschauer, Journalisten und Stars.”

Und wohl wahr, es ist nicht zu vereiteln, alle waren sie da … Die deutsche Prominenz trat wieder gegen die gekauften amerikanischen Stars an, und auch wohlbehütete Journalisten und Redakteure aus den deutschen Reihen bekamen in diesen Tagen Besuch von ihren internationalen Kollegen.

Worüber wohl  jeder erzählen wird, ist die kurze Anwesenheit des Schauspielers Adrien Brody und Kollegin Sienna Miller bei der Boss Orange Show, der Auftritt von Justin Timberlake auf der B&B und der Besuch von Suzy Menkes, die wohl wichtigste Modekritikerin unserer Zeit, im Megazelt am Bebelplatz. Auch der frisch verliebte Boris Becker sorgte, wie im letzen Jahr, in der First Row bei Kaviar Gauche wieder für ein ordentliches Blitzlichtgewitter und hat so manchen Twitterkanal an seine Grenzen getrieben.

Mindestens einer von uns Dreien war bei den Schauen stets vor Ort, aber was unseres Erachtens in den Medien zu wenig kommuniziert und kommentiert wurde, sind die Präsentationen der UdK Berlin und der Kunsthochschule Weißensee. Beide Hochschulen zeigten Mode mit einem beachtlich hohem Designniveau und vielseitigem kreativen Spirit!

Unsiversität der Künste:

Kunsthochschule Weißensee:

Wunderschön auch die Präsentation von Black Coffee. Selten habe ich Seide derart edel gefaltet und in einer solch lebendigen Form und Mustervielfalt gesehen. Handgefärbte, perlenbesetzte Kleidungsstücke und extragroße Helme mit Netzgewebe verinnerlichen nicht nur die Kultur des afrikanischen Labels, sondern zeigen anhand der Baumwoll- und Leinenstoffe die Geschichte des kolonialen Afrikas in einer völlig neuen Art.

Black Coffee

Black Coffee

Und zu guter Letzt die beiden Berliner Labels Kaviar Gauche und PENKOV. Bernadett Penkov präsentierte 40er Jahre-Shapes mit raffiniertem Futurismus als Hauptthema und zeigte durch kunstvoll entrückte Metallic-Lederapplikationen eine schicke Symbiose zwischen Schmuck und Kleidung. Bei den Designerinnen Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl gab es endlos wallende, weiße Kleider aus feinsten Materialien, in der für das Label Kaviar Gauche schon fast typischen femininen Avantgarde zu sehen.

1-2 PENKOV, 3-4 Kaviar Gauche

1-2 PENKOV, 3-4 Kaviar Gauche

Meister der Inszenierungen waren Michalsky und die Modefirma Hugo Boss. Mit Locations à la Friedrichstadtpalast oder den AEG-Hallen in Köpenick war schnell klar, welche Schauen keiner versäumen will. Bei gefühlten 1000 Personen im Palast an der Friedrichstraße und noch mal so vielen in den alten Containern in Treptow, zeigten Kreativdirektor Eyan Allen und Modedesigner Michael Michalsky ihre Empfehlungen für die kommende Saison. (Coverage zu beiden Schauen findet ihr hier und hier.)

NEXT SHOWS COMING SOON!

 

GM Zimmermann: Simply I


28.05.09

© GM Zimmermann

© GM Zimmermann
© GM Zimmermann

© GM Zimmermann

Wir sind uns nicht ganz im Klaren darüber, wem das Simply I Projekt von Gilles-Marie Zimmermann gewidmet sein könnte, aber wir sind uns sicher, dass es sich dabei um traumhaft schöne Bilder von Models und Persönlichkeiten wie Anna Mouglalis, Heidi Klum, Laetitia Casta, Lauren Hutton, Milla Jovovich, Mischa Barton oder Naomi Campbell handelt. Die Fotos zeigen die wahre Schönheit und betonen die individuellen Seiten jeder Person. Wer sich noch nicht satt gesehen hat, findet auf der Homepage von GM Zimmermann noch zahlreiche weitere seiner grandiosen Bilder:

In Paris geboren studierte Gilles-Marie Zimmermann zuerst klassische Musik bevor er die Fotografie für sich entdeckte. Seine berufliche Laufbahn begann er als Assistent in den Harcourt Studios, wo sein Talent erstmal entdeckt wurde und er kurz darauf zum Fotografen befördert wurde. Gilles Marie arbeitete außerdem als Filmfotograf für Sygma. Zu seinen Kunden gehören u.a. Jean-Louis Scherrer, L’Oreal, Wella, Schwarzkopf, Cartier, Chaumet, French Glamour, West East, GQ, Massiv, Madame Figaro, Amica, Ocean Drive, Mischa Barton, Naomi Campbell, Audrey Tautou, Penelope Cruz, Heidi Klum, Theodora Richards, + Laetitia Casta.

 

Re:view Paris Fashion Week – Mit den 80ern raus aus der Krise


16.03.09

Backstage

Backstage

Paris is burning und alle haben sich die heißesten Partyoutfits auf den Leib gezimmert. Ziemlich cool, statt Schwarzmalerei zeigten die Labels wie man sich die Partynächte am besten um die Ohren schlagen kann. Allen voran Balmain. Das französische Traditionshaus liefert die besten Ideen, Christophe Decarnin hat verstanden, was die Frauen wollen. Er zeigte im Ritz und tut es damit, Gianna Versace, dem König aller Partygirls gleich. Schon die letzte Kollektion feierte wilde unbekümmerte Zeiten. Für den kommenden Winter sorgt er für Nachschub und noch kürzere Kleidchen lassen noch wildere Partys erahnen. Glitzertops zu Trapezhosen und kurze Röcke, genau das sehen wir gerne. Und was man eigentlich nicht mehr sehen wollte und plötzlich im richtigen Kontext sehr begehrenswert erscheint, sind die Vokuhila-Abendkleider. Olivier Theyskens hatte sie schon in der letzten Saison bei Nina Ricci, und nun also auch noch bei Balmain. Es leben die 80er. Der Trend wirkt sich auch auf die Tagesmode aus, allerdings mit viel Understatement und weniger Rock-Chick-Allure. Dries Van Noten gibt sich als Meister der Farbgestaltung und zeigt, wie modern auch gut positionierte Retro-Einflüsse sein können.

Dries Van Noten

Dries Van Noten

Wieder wahnsinnig in den Himmel gelobt, für mich ein bisschen unverständlich, ist Nicolas Chesquières Kollektion für Balenciaga. Das heißeste Ticket bei den Schauen ist die Schau sicherlich, aber es sieht in meinen Augen alles sehr zusammengeschustert aus. Die merkwürdigen Rocktraperien aus Satin hätten bei manch anderen Designer zu ziemlichen Verrissen geführt, die Lurextops und die gepunkteten Seidenstrümpfe sind der Gipfel. Aber er ist eben momentan mit einem Goldenen Ticket ausgestattet und man sieht vielfach wenig hinterfragt was man da eigentlich vorgesetzt bekommt.

Ob Nicole Phelps von style.com einen schlechten Tag hatte kann ich nicht sagen, allerdings lässt ihre Kritik an Wunderkind einiges vermuten. Wolfgang Joop zeigt mal wieder, dass er über allen Krisen steht und sich recht wenig um die Meinung anderer schert. Die ersten acht Looks sollte man schnell überblättern, um endlich zu den wunderschön grafischen Prints vorzudringen. Die Mischung aus Streifen und Rechtecken in der Tradition des Suprematismus geben die Richtung vor und werden nur von Fotodrucken die Gregor Törzs Werken entlehnt sind überboten. Der andere Deutsche in Paris, Karl Lagerfeld, zeigte bekanntes bei Chanel, interessanter sind allerdings die Entwürfe, die er unter eigenen Namen zeigte: Mädchen mit Motorradhelmen, ganz verwegene Dinger.

Wunderkind

Wunderkind

Zum Schluss noch ein bisschen was von der Phantasiefront. Immer gut für reichhaltges Dekor ist John Galliano.  

 

Re:view Milano Moda Donna: Tränen für die Mode


06.03.09

Jil Sander

Jil Sander

Milano und die Mode rühren schon mal zu Tränen. Die Gründe sind vielschichtig, es reicht von engen Schuhen bis hin zu hellen Scheinwerfer. Letzteres war der Grund warum sich Tränenbäche ihren Weg über Augustes Wangen bahnten, was nun endlich, nach gut einer Woche voller Fragen durch ihren Booker erklärt wurde. Eins ist sehr erfreulich an der ganzen Sache, die Jil Sander Kollektion hat durch diesen kleinen Vorfall unheimlich viel Aufmerksamkeit erregt und sogar ein wenig über negative Presse hinwegtäuschen können. Denn unerfreulicherweise wurde eben kurz vor der Schau auch die Schließung der Hamburger Ateliers bekannt gegeben, damit ist dann die Loslösung des Namens von seiner Geschichte entgültig vollzogen. Trotzdem aber war Raf Simons wieder beim Kern der Marke. Die Zweiteilung der Kollektion in einen sehr verkaufsfreundlichen und einen eher künstlerischen Teil dürfte nicht nur die Kunden sondern auch die Retailer freuen. Die Schau begann mit klassischen Mänteln und Kleidern, dazu fast ausschließlich flache Schuhe und alles in gedeckten Farbtönen mit wenigen leuchtenden Tupfen. Nach einem Wechsel in der Lichtstimmung kam eine Abfolge skulpturaler Modelle, die aber trotz extravaganter Schnitte sehr kommerziell schienen. Mein Highlight, ein graues Mantelkleid mit gelb abgefütterten Kragen.

Bottega Veneta

Bottega Veneta

„Italy stands for beauty – and beautifully made.”, so Mario Boselli, Präsident der Mailänder Modekammer zu Suzy Menkes. Damit hat er zweifellos recht, denn bei allen gezeigten Kollektionen wurde klar, dass in den momentan ‘harten’ Zeiten mehr Wert auf solides Handwerk, als auf Extravaganz gelegt wird. Nach dem nun die letzten Jahre vor allem junge Labels gefeiert wurden, sind es nun wieder Marken mit einer fundierten Basis und dem Wissen um die Wichtigkeit der Qualität in den Fokus rücken. Nicht umsonst feiert gerade aus diesem Grund Versace wieder große Erfolge. Vorurteile der Marke gegenüber, werden abgelöst von neuer Aufmerksamkeit. Sie bahnt sich wieder ihren Weg in die erste Reihe und Donatella hat Durchhaltevermögen bewiesen. Klar ist die Zielgruppe genau erkennbar, Reich und Schön und vielleicht auch ein wenig Russisch. Dies ist jedoch genau das erwähnted Vorteil: Die Marke richtet sich an Kunden, die von der Krise recht wenig abbekommen haben und ihren Reichtum gerne zeigen.

Die Rückkehr zu den Wurzel macht auch Goirgio Armani zum Thema. Seine Kollektion ist zeitlich so gar nicht einzuordnen. Stellt man verschiedene Modelle aus den verschiedenen Jahrzehnten nebeneinander ist am Ende alles sehr ähnlich, und leider auch ziemlich langweilig. Er zitiert sich selbst immer aufs Neue. Auch die Zwillinge Dean und Dan Caten haben sich für D’squared2 nicht gerade viel Mühe gegeben. Sie haben sich einfach ein paar der Regenbogenpresse zuzuordnende Magazine gekauft und den Look der jungen Hollywood-Prominenz kopiert. Die Models tragen alle Sonnenbrillen, Mützen und nen Kaffee in der Hand – ‘Ich bin ein Star und freue mich über PR und die tolle große Handtasche von XY, will aber bitte nicht erkannt werden!’ Bisschen zu sehr eine Zielgruppe kopiert, die aber selbst ziemlich genau weiß in welchen Klamotten sie toll ausssieht.

Waders zu Shorts bei Prada

Waders zu Shorts bei Prada

So richtig umgehauen haben in Mailand eigentlich mal wieder nur Prada und Marni, wobei letzteres nicht wirklich konzeptionell ist. Marni macht eben Mode für Mädchen, Farben und Muster sind immer das Highlight. Prada ist da schon weit komplexer. Die aktuelle Kollektion trägt den spröden Charme Schweizer Armeedecken, suggeriert durch Optik der Materialien und die Farben. Ich finde vor allem die über die Cardigans gezogenen Shorts großartig und die angegürteten Anglerstiefel als Sahnehäubchen. Ein weiteres Highlight war sicherlich Salvatore Ferragamo. Christina Ortiz zeigt wieder ihr Talent für Schnitte und setzt es selbst in Strick um.

Salvatore Ferragamo

Salvatore Ferragamo
Toni Garrn bei Fendi

Toni Garrn bei Fendi

Für alle Pelzgegner wird es nun wirklich eine schlechte Saison, bzw. eine gute für die Farbenindustrie. Die Designer setzen auf Luxus und auf eine zahlungskräftige Kundschaft zu deren Vorlieben eben auch diese Luxusprodukt gehört. Neben den vielfach betonten Schultern ist auch dies eine Hommage an Denver Clan und Dallas, lang lebe Alexis Carrington-Colby-Dexter-Rowan….

Bilder via Style.com

 

Veruschka – Assouline feiert eine Ikone


11.10.08

Ein unscharfes Bild zeigt mich bei einer Boutique-Eröffnung neben Veruschka. Mein 25.Geburtstag fiel zufällig auf diesen Tag, ich war unheimlich aufgeregt neben dieser Frau zu stehen. Als sie mir dann auch noch gratulierte, war ich erstmal für ein paar Minuten nicht mehr zurechnungsfähig. 

Veruschka Self-Portrait #6

Veruschka Self-Portrait #6

Es war meine zweite Begegnung mit ihr, und es wird mir immer in Erinnerung bleiben. „Sometimes I ask myself, ‘Why are people remembering me?’” Zum ersten Mal habe ich in einer Dokumentation über diese Legende erfahren, ‘Veruschka Self-Portrait #6′ zeigt sie in einer Art Spinnenpose auf der Wallstreet, zu diesem Zeitpunkt war sie schätzungsweise Mitte 50 und als Künstlerin etabliert. Sie beieindruckte mich, und ich kann nicht beschreiben warum eigentlich genau.  

 

Ein Schrei nach Fashion


08.10.08

Jean Paul und Sonny Groo von L'Officiel NL

Jean Paul und Sonny Groo von L’Officiel NL

Paris Fashion Week: In einer schwarzen Rauchwolke erscheinen diese beiden plötzlich inmitten des bunten Treibens, als der Rauch sich verzogen hat, fassen sich etliche Modeblogger ans Herz und schicken einen dankenden Blick zum Himmel. Die Kameras blitzen und die beiden stehen da, regungslos. Selbstverständlich führen sie eine Strichliste…Für wie viele Fashion und Style Blogs wurde ich heute wieder fotografiert?!

Diese beiden hier sind Fashion, die zwei Stylisten der niederländischen L’Officiel leben, atmen und schwitzen Fashion. Die große Kunst sich individuell zu kleiden beherrschen sie spielend- irgendwo zwischen Grace Jones, Blade, Gareth Pugh und dem Spiel mit den Geschlechtern haben sie ihren Platz gefunden.

Via: Pudri

 

re:view PRÊT À PORTER PARIS – Head In The Clouds


06.10.08

Die Pariser Modewoche wurde von einem Engländer eröffnet, einer der mit seinen Entwürfen zu den meist beachteten Designern im momentanen Modezirkus zählt – Gareth Pugh. Die Vorderseite in Weiß, die Rückseite komplett in Schwarz, Kragen und ‘Rüstungen’ die an das Goldene Zeitalter unter Elisabeth I. erinnerten.

Gareth Pugh

Gareth Pugh

Seine Kleider sind theatralische Kunstwerke, großartig konstruiert und alles andere als für die Straße gemacht. Vielleicht lieben ihn genau deshalb Stars wie Kylie Minoque oder die deutlich abstraktere Roisin Murphy. Pugh ist nicht der erste Absolvent des Central Saint Martins der an der Seine zum Star wird, er tritt in die Fußstapfen von John Galliano oder Alexander McQueen.

Alexander McQueen

Alexander McQueen

Auch diese beiden haben Aufsehen erregt und sind mittlerweile feste Größen und Impulsgeber. Gallianos Kollektion für Dior zeigte kurze Kleidchen mit schwingenden Röckchen, alles war sexy und leider viel zu kommerziell. Was er unter eigenem Namen zeigte ist ebenfalls nicht der Rede wert. Inspiriert von den Bärenfellmützen englischer Soldaten zeigte er Kombinationen in rot und schwarz, dazu ein paar Blumendrucke und lächerliche Perücken.  

 

re:view Fashion Week Milano – The Hell on Heels


29.09.08

Die gute Nachricht zuerst: Tanya Dziahileva hat Russland wieder verlassen dürfen und lief mehrere Schauen in Mailand. Und noch eine weiteres Ereigniss ist zu vermelden: Tomasso Aquilano und Roberto Rimondi zeichnen für Gianfranco Ferré verantwortlich. Gut ein Jahr nach dem Tod des Designers liefern sie eine Kollektion ab, die sich an der Tradition der Marke orientiert, aber auch neue Elemente aufnimmt und nicht nur zitiert. Architektonische Elemente, vorallem bei der Schulterlinie, und die weiße Bluse sind typisch Ferré. Die runden Silhouetten sind typisch Aquilano.Rimondi (vorher 6267, nun in alter Besetzung mit neuem Namen), in diesem Sommer wurden die beiden Designer als beste Nachwuchsdesigner mit dem Elle Fashion Star ausgezeichnet.

Python-Heels bei Prada

Python-Heels bei Prada

Mailand überraschte die Besucher der Schauen im Gegensatz zu New York nicht mit einem Unwetter, es war sonnig und alle konnten trockenen Fußes die Highheels ausführen. Mailands vollgestopfte Gehwege boten schicke Looks, The Sartorialist hat einiges diesbezüglich ausfindig gemacht. Star waren jedoch die Schauen, die Partys und die Stars in der ersten Reihe. Jennifer Lopez divenhaft bei Dolce&Gabbana, Tita von Teese strahlend und unnahbar ebenfalls, und Rihanna (Was ist eigentlich mit ihren Haaren los?) beglückte als neues Werbergesicht Gucci. Anna Wintour, Cathy Horyn, Hilary Alexander & Co. sind sowieso von berufswegen da, und Anna Piagi schaut man sich immer wieder gerne an. Man feierte in Mailand das Jubiläum der russischen Vogue, und am Mittwoch lud Tod’s zur Party für Gwyneth Paltrow und den gemeinsamen Werbefilm für die neue Pashmy Bag. Viel los also in den engen Gassen.

Toni Garrn bei Marni

Toni Garrn bei Marni

Eine Modewoche dreht sich aber hauptsächlich um Mode, und auch da hatte Mailand was zu bieten. Bei Burberry Prorsum wurde einen Kollektion gezeigt die sich nahtlos an die im Juni vorgestellten Männer anpasst, Gartenromantik und ein lauer Sommerregen waren Christopher Baileys Vorlagen. Sehr englisch, sehr tragbar und einfach schön anzusehen. Marni hingegen verwendete Kreise und setzte ihnen Streifen entgegen, dazu noch Transparenz und viele Pailletten – Neu in der Marni-Farbwelt sind die Neontöne, sehr cool. Bei Bottega Veneta ist eigentlich alles wie immer, alles tragbar und schick, neu sind die mit Blumen bedruckten Lederflechtereien.

 

 

re:view London Fashion Week – Buntes Treiben an der Themse


22.09.08

Fröhliche Zeiten kommen auf uns zu. Die London Fashion Week endete am vergangenen Freitag, und bewies dass sie nicht zu unrecht ihren Platz zwischen New York und Mailand hat. London zeigt sich vor allem bunt und jung, es ist das erste Experimentierfeld für viele junge Designer. Vieles sieht nach Spaß aus. Adidas by Stella McCartney wurde, wie es sich für eine Sportkollektion gehört, an turnenden und Sport treibenden Modellen gezeigt, John Rocha setzt auf viel mädchenhaftes und bei Giles trug man Eierhüte. London is swinging!

Model Chanel Iman für Nathan Jenden

Model Chanel Iman für Nathan Jenden

Bei den in New York zeigenden Designern fielen die Streifen auf, London ist bei den Drucken mutiger und vor allem Farbe ist angesagt. Affenköpfe und Leopardenmuster in Bonbonfarben, dazu schwingende Kleider aus zusammengesetzten Halbkreisen, zeigte Christopher Kane für sein gleichnamiges Label. Die Kollektion erinnert an Pierre Cardin und Roberto Capucci ohne auch nur ansatzweise als ‘retro’ bezeichnet werden zu können. Sie ist feminin und schafft den Spagat zwischen verspielten Elementen und einer trotzdem strengen Silhouette. Marios Schwab transformierte gedruckte Trapierungen auf T-Shirts zu griechisch anmutenden Kleidern, die mit Kordeln à la Christo gebunden und umwickelt wurden.

 

 

re:view New York Fashion Week – Zelebrierte Vielfalt


15.09.08

Keine andere Modewoche ist so vielschichtig. Statt Segmente zu trennen, feiert die New Yorker Modewoche die amerikanische Modeindustrie. In den Zelten am Bryant Park wird eine Mischung aus Sportswear und Highfashion gezeigt, In-Labels laufen ebenso wie Männerkollektionen. Sieben Tage Fashion Week hinterlassen aber vor allem einen Eindruck: In dieser Stadt müssen unheimlich viele Cocktailparties stattfinden. Die Designer feiern in ihren Kollektionen die Eleganz und die Lust sich wieder schön anzuziehen – Geschlechterübergreifend. New York setzt auf Understatement, wenn auch nicht alle das Gleiche darunter verstehen.

Rodarte

Rodarte

Die Stützpfeiler der modischen New Yorker Society werden immer wieder durch neue aufstrebende Marken herausgefordert, schaffen es aber sich als feste Größen auf dem Markt zu behaupten. Oscar de la Renta und Carolina Herrera sind die Lieblinge der Lauders und Mortimers, dem alten „Adel” der Neuen Welt. Man kann sich gut vorstellen wie à la „ Die oberen Zehntausend” Cocktails geschlürft und Ehen eingefädelt werden. Die Säume enden immer knielang und Seidenmäntel machen einen Nachmittag im Museum zu einem stilvollen Erlebnis. Die Kollektionen lassen sich nicht nach den Gesichtspunkten der Mode beschreiben, die Marken funktionieren weil sie genau auf die Kundschaft zugeschnitten sind, und daraus begründet sich der Erfolg dieser beiden Labels. Den Spagat zwischen den Welten schafft Vera Wang am besten, sie liefert zum einen traumhafte Brautkleider, macht aber auch Mode für den Tag, die am ehesten noch mit Marni vergleichbar ist. Ihre Silhouetten verschieben sich im Sommer 09 nach unten, die Kleider sind sackig und easy to wear. Spannend sind ihre Lagenlooks, bei denen neue Farbschattierungen durch transparente Stoffe entstehen.

Toni Garrn (rechts) backstage bei Proenza Schouler

Toni Garrn (rechts) backstage bei Proenza Schouler

Eine starke Schulter suggeriert Macht und Sex, auf den New Yorker Laufstegen haben da die Frauen die Oberhand. Proenza Schouler gingen auf eine Zeitreise in die 80-er und brachten eine Sekretärin/Domina-Version mit, die doch stark an Jerry Hall erinnert. Dollman-Ärmel mit aufgesetzten Nähten zeichnen eine runde Linie, dazu eine Hohe Taille und unzählige Overalls. Zu den für das Label typischen gesteppten Korsagen, diesmal aus schwarzem Leder, kombinieren Jack McCollough und Lazaro Hernandez Fallschirmseide und an SM erinnerte Folien. “It’s not so much about toughness,” so Lazaro Hernandez, “as it is about confidence.” Der Verkauf von Anteilen an die Valentino Group ermöglicht nun die Einführung von Accessoires, und komplettiert das Angebot.

 

 

Fashion Week Berlin: Starke Frauen by Kai Kühne


24.07.08

„Meine Art des proper dressing ist sehr New York” so Kai Kühne, der Mann hinter dem gleichnamigen Label – Und ein bisschen New Yorker Style tut dem zeitweilig vorhandenen Berliner Unschick gar nicht mal so schlecht. Seinen Kleidern sieht man an, dass nicht viel dem Zufall überlassen wird – Stoff und Schnitt vereinen sich perfekt. Die klaren Linien werden durch feste Stoffe unterstrichen, Transparenz macht knielange Pencilskirts verführerisch. Kühne zeigt Mode die auf Angezogenheit setzt, ohne gleichzeitig bieder zu sein.

Bekannt wurde Kai Kühne als Teil des Designkollektivs AsFour. Nach der Loslösung gründete der 36-Jährige seine eigene Firma, und zeigt nun einen sehr cosmopolitischen Stil irgendwo zwischen dem Helmut Lang der 90er und klassischer East-Coast-Couture à la Oscar de la Renta und Carolina Herrera. Weniger Avantgarde, mehr hohe Schneiderkunst. Vielleicht sind seine Entwürfe…  

 

re:view Haute Couture de Paris AW 08


05.07.08

Tot gesagte leben länger – für kein Metier stimmt dies mehr als für die „Hohe Schneiderkunst”. Drei Tage Schauen heißt vor Augen geführt zu bekommen wie durch perfektes Handwerk wahre Kunst entsteht. Die dort zeigenden Häuser – 11 offizielle Mitglieder der Haute Couture und vier Nichtfranzösische – erfüllen strenge Auflagen und unterwerfen sich einem nicht gerade wirtschaftlichen Reglement, und trotzdem sind sie in jeder Saison die absoluten Glanzlichter.

„Solange ich lebe, wird die Haute Couture nicht sterben” so Mouna al Ayoub – eine der besten Kundinnen, sie sammelt die Kleider wie Moderne Kunst. Sie und die anderen „Süchtigen”, geschätzte 300 Damen weltweit, sorgen dafür das François Lesage Kunstwerke auf Kleider stickt oder André Lemarié für Chanel die berühmten Kamelien fertigt. Aber eigentlich geht es bei dem ganzen Aufwand gar nicht um den Verkauf (nur 1% vom Umsatz erzielen die einzelnen Marken mit Couture) sondern um den Werbeeffekt. Circa 1.500 Seiten Berichterstattung pro Saison entsprechen einem Werbeetat von etwa 15 Millionen Euro, diese unbezahlbare PR wiegt den Verlust der bis zu 3 Millionen Euro teuren Veranstaltungen mehrfach auf. Das Hauptgeschäft der Firmen sind Accessoires, vorallem Taschen machen einen Großteil am Umsatz. Doch mittlerweile scheint die Couture auch wieder finanziell an Boden zu gewinnen. Christian Lacroix konnte seinen Umsatz in den letzten zwei Jahren um vierzig Prozent steigern, Givenchy um dreißig.

Für den kommenden Winter wird es wieder viel zu schreiben geben – Krinolinen bei Gaultier, Galliano kehrt zu den Wurzel von Dior zurück und gerahmte Köpfe bei Chanel. Christian Dior erweckte nach dem zweiten Weltkrieg die Haute Couture wieder zum Leben. Seine Kleider trotzten der Nachkriegstristese Glanz ab. John Galliano hat sich die Form des legendären Modells ‘Bar’ zum Vorbild genommen, New Look-Allure durch an die Schoßjacke erinnernde Korsagen. Zu den Aufgaben von Frankreichs Première Dame gehört auch Botschafterin des Kulturgutes ‘Haute Couture’ zu sein, Galliano scheint Carla Bruni-Sarkozy mit seiner Kollektion bedacht zu haben. …

 

 

re:view Mode Masculine Paris


30.06.08

Vier Tage Männermode in Paris – viele Eindrücke und spannende Kollektionen. 44 Labels zeigten an vier Tagen Ideen für den Sommer 2009, als Location dienten Museen, Gärten und Werkstätten. Nun ist es Sache der Einkäufer zu bestimmen was es wirklich in die Läden schafft, und das Straßenbild prägen wird.

„Denn das Letzte, was meine Männermode sein soll, ist ein Kostüm.“, sagt Kris van Assche (verantwortlich für das gleichnamige Label und Chefdesigner bei Dior Homme) und kritisiert damit unterschwellig auch seinen Kollegen John Galliano. Wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können wird hier besonders deutlich. Galliano, für das Damensegment bei Dior verantwortlich, geht mit seinem eigenem Label einen komplett anderen Weg. Während van Assche die Jugendkultur der vergangenen 20 Jahre einsetzt um den modernen Mann zu definieren, lässt Galliano keinen Zweifel an seiner blühenden Phantasie. „It was almost impossible to absorb the spectacle“ so Tim Blanks (men.style.com). Wobei man Galliano zugute halten muss, dass er weiß was er tut und am Ende in sich stimmige Looks herauskommen. Bei Number (N)ine hat Takahiro Miyashita selbiges versucht, und heraus kam Karneval.