Verschwommene Erinnerungen aus Kaixian


24.06.10

Der Drei Schluchten Damm in China ist, wie sollte es anders sein, der größte der Welt. Mit der Fertigstellung im Jahr 2009 erstreckt sich der Stausee über 600 Kilometer und begräbt damit Landschaften, ganze Städte, unzählige Dörfer und Fabriken unweit des Jangtse Flusses unter einer tiefen Wasserdecke. Yang Yi hält die letzten Eindrücke, seine persönlichen Erinnerungen und Plätze, die letzten Spuren von Leben und Verfall in seiner Heimatstadt kurz vor der kompletten Überflutung fest. Die Bilder sind eine Fiktion aus Fotografie und digitaler Technik, zeigen eine zukünftigen Unterwasserwelt, in der Menschen, ausgestattet mit Schnorchel und Taucherbrille, ihrer täglichen Routine nachgehen.

My Modern Metropolis

 

Unbemannte Rettungstürme von Amir Zaki


22.06.10

Für alle Freunde des unbefangenen Plantschvergnügens an seichten Sommertagen, hier ein paar Impressionen vom sandig sonnigen Südkalifornien, wo vor wolkenlosem Himmel friedlich und beglückt Bademeisterhäuschen ungestört von lästigen Bademeistern in lieblicher Sommerluft entspannen. Doch die perfekte Harmonie ist trügerisch, Amir Zaki hat nicht nur Farbe manipuliert sondern auch Leiter retuschiert.

SpaceInvading

 

Fototapetenfotografie von Mark Lyon


18.06.10

Während Zahnarztpraxen scheinbar von allen Raumausstattern dieser Welt böswillig gemieden werden und man so, unter strapaziösen Schmerzen und traumatischen Schweißausbrüchen leidend, dem Bohrersummen lauschen und die vergilbten Deckenplatten begutachten muss und sich letztendlich einer Verschwörung gegen das eigene Wohlbefinden ausgesetzt sieht, zeigt Mark Lyon, dass es auch solche Mediziner gibt, die auf die narkotisierende Wirkung außerordentlich ungewöhnlicher Landschaftstapeten setzten. Ob eine Behandlung vor hawaiianischem Blumenmeer oder trauter Berglandschaft besonders vertrauenerweckend erscheint, ist dabei Nebensache.

PICDIT

 

Once upon a time: Die Telefonzelle


08.06.10

Während wir heute zweifeln, ob ein Leben ohne Handy, Internet und Flatrate tatsächlich möglich war, gibt es in Los Angeles bereits bildhafte Beweise dafür, dass es irgendwie auch mal anders ging. Unvorstellbar, aber es gab Zeiten, in denen der einzige unverzügliche Kontakt zu Außenwelt noch der heißgeliebte Festnetz-Kabeltelefonanschluss war, man zu Verabredungen pünktlich erscheinen musste, auf echtes Bargeld angewiesen war und wir uns der Bedienung hochmodernen Telefonhäuschen erfreuten. Heute sind die kuscheligen Fernsprecheinrichtungen vom Aussterben bedroht, Nataly Rader hat die übrig gebliebenen Raritäten fürs Geschichtsbuch festgehalten. Je nach Wohngegend variiert der Zustand der ausgedienten Apparate.

lenscratch

 

Candy Congo – Dokumentarfotografien aus dem Krisengebiet


06.06.10

Kriegsszenen fluten täglich unsere Medien, dabei sind es immer die gleichen monotonen Bilder von Gewalt, Macht und Stolz, von Elend und Trauer. All das vermischt sich in unserem Gedächtnis zu einem Sumpf aus drückenden trüben Erinnerungen. Wenn solche bekannten Impressionen in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden, wenn Haltung und Autorität auf Sanftheit und Surrealismus treffen, ist das provokativ und polarisierend. Auf diese Weise hat Richard Mosse die bekannten Szenen von Krieg und Konflikt in Ost-Kongo dokumentiert. Per Infrarot Kamera tarnen sich Grüntone mit einer zarten Palette aus träumerischen Seifenblasenfarben. Die gewohnten Schreckensbilder wirken surrealistisch, weich und lieblich, die stolzen Posen, die kämpferischen Haltungen bekommen einen kuriosen fast lächerlichen Beigeschmack. Wie würden Soldaten wohl wirklich in einer rosa Uniform posieren – und wie würden wir Krieg wahrnehmen?

We Find Wildness

 

Portraits von Primaten – Ruben Brulat


27.05.10

Ruben Brulat portraitiert Menschen, dabei ist er nicht angewiesen auf schnuckelige Fotostudios, theatralische Windmaschinen und umschwärmte Stylisten. Er zeigt den Menschen in seiner natürlichen Form, als Spezies, nackt, ungeschützt und alleine und schafft damit seine ganz eigene Dramatik. Klein und verlassen, hilflos und ausgesetzt wirkt der Körper in seiner ursprünglichen Umgebung, verloren und vereinsamt in seinem eigens geschaffenen urbanen Umfeld. Wie in einem Suchbild wird der Mensch ohne persönlichen Sicherheitsbereich, ohne schützende Fassade, selbst eine kleine Figur auf einem großen Spielfeld.

Wer die Arbeiten des Pariser Fotografen in Echtgröße auf sich wirken lassen will, kann bis 31.07 die G3 Gallery in Hamburg aufsuchen.

PhotoSlaves

 

Funktionale Absichten – Ralf Grosseck


21.05.10

Andere sammeln Briefmarken, Ralf Grossek sammelt funktionale Absichten. Funktionale Absichten findet man eigentlich überall dort, wo ausgetüfteltes Ideenreichtum auf zweckbedingte Problemchen des Alltags trifft, von Orten des chronischen Platzmangels über Situation der ratlosen Komfortproblematik. Nach dem Prinzip: anpassen verbergen, leiten ordnen, sperren sichern, halten stützen und markieren optimieren, kooperieren die Alltagsobjekte zu einer astreinen Problemlösung.

PICDIT

 

Heimatliebe by Bryan Schutmaat


18.05.10

Bryan Schutmaat ist eigentlich Geschichtslehrer in Houston, Texas. In seinen Fotografien lässt er uns aber an seinen ganz persönlichen Geschichten teilhaben, an seinen Erinnerungen an Heimat und seinem Gefühl von vertrauter Umgebung. Für andere verkörpern seine Bilder vielleicht Einsamkeit, Einöde oder Eintönigkeit, für ihn ist es persönliche Nostalgie und Zufriedenheit, Vertrautheit und innere Ruhe. Tatsächlich sahen Orte alltäglichen Geschehens selten so lieblich aus.

Oh, Snap! & I like this blog

 

California Dreamin oder die Sternstunde des Lastkraftwagens


26.04.10

Vor gar nicht langer Zeit, als Schlaghosen noch voller idealistischer Leidenschaft zur universellen Uniform für jeden Anlass erklärt wurden und The Mamas And The Papas weltweit für Momente voll Liebe und Frieden sorgten, erlebten unscheinbare Lastkraftwagen stilistische Sternstunden. Als Trendsetter unter den Verkehrsmitteln galten die begehrten Kleintransporter dem zeitgenössischen Geschmack ihrer Besitzer unterworfen und wurden so, dank Flokatiteppichauslage, Gardinenverkleidung oder künstlerischer Fingerfarbengestaltung, spontan Inbegriff des Ausdrucks der eigenen Persönlichkeit. Dennoch: aufgrund eines rasanten Triumphs der fortschreitenden Technik, nachtragender Trendpolitik und fieser Rostattacken sind die rollenden Kultbehausungen derzeit vom Aussterben bedroht. Joe Stevens, Filmemacher und Fotograf aus New York, widmet sich seit 1996 den einsamen Kleinbussen und hält in seiner fotografischen Serie ,,Vans and the places where they were“ den Werdegang der gealterten Kultobjekte im Kontext ihrer Umgebung in Kalifornien fest.

IMMUNEmedia DennyLang

 

Gut eingetütet!


25.04.10

Diese amüsant animalische Fotoserie von Vekony Dorottya ist nicht nur eine unbefangene Anregung für passionierte Anhänger des heimischen Rollenspiels, sondern auch eine ernstzunehmende Lösung für den nächsten bad hair day.

PAMPIG, WeLookedLikeGiants

 

Let Love In.


22.04.10

Eine Liebeserklärung an sich selbst und Polaroid…

für ein kleines bisschen mehr Liebe und Wonne jeden Tag.

Für mehr Liebeserklärungen und Glückseligkeit lohnt sich ein Blick auf das youarebeautiful Projekt.

photos made by Andrea

 

Spiritualisierendes Tannicht Ton in Ton


15.04.10

Jenseits von Zeit und Zivilisation versteckt sich stillschweigend ein überdurchschnittlich phantastischer Ort der amerikanischen Superlative. Der Quinault Rain Forest in Washington State, USA, ist einer der seltenen urzeitlichen Regenwälder aus Nadelholz mit bestechender Ähnlichkeit zu einem verwunschenen Zauberwald. Der japanische Fotograf Yoshihiko Ueda trat während einer Reise in den neunziger Jahren in eine konspirative Verbindung mit dem spiritualisierenden Tannicht und brachte eine Sammlung inspirierender Fotografien fulminanter Farbwelten mit.

Ab 1. Mai sind die blau grünen Wunderwerke in der Michael Hoppen Gallery in London zu bewundern.

Gosee

 

Robert Herman: flotte Street Photography aus den 80ern


12.04.10

Wer sich gegenwärtiger der spontanen unbefangenen Street Photography verschrieben hat, denkt dabei höchstwahrscheinlich an extravagante Einzelgänger, die sich mit stilsicherem Selbstbewusstsein in skurrilen Kleidungskombinationen auf großstädtischen Gehwegen präsentieren. Robert Herman ist jedoch ein alter Hase in Sachen Street Photography und fängt seit 1978 die etwas anderen Augenblicke auf den Straßen New Yorks ein. Neben anmutender, zum Schreien erheiternder, Modeszenarien, zeigt Herman ein intuitives Gespür für Menschen und ihre Umgebung, die wiederum zu einem skurrilen Gesamtkunstwerk verschmelzen.

feature shoot

 

Stratis Vogiatzis´ Erinnerungen an vergessene Existenzen


11.04.10

Vor der ionischen Küste Kleinasiens, in südlichen zurückgezogenen Landschaften der griechischen Insel Chios, befinden sich vergessene Dörfer. In traditionellen Gebieten, wie Mastichochoria, lebten einst Generationen von Familien in vertrauter Verbundenheit allein von der Landwirtschaft mit wertvollem Naturharz. Heute sind viele Wohnhäuser verlassen, doch die Geschichten der ehemaligen Bewohner leben in den Gebäuden weiter. Jeder Stuhl, jedes Bild scheint die Menschen, ihre Charaktere widerzuspiegeln, ist geprägt von Zeichen der Zeit, Geschichten von Generationen, Erinnerungen und Existenzen. Auch Stratis Vogiatzis lebte einst in Chios. Die Bilder zeigen seine Retrospektive, vermitteln sein Gefühl von Heimat, das Behagen von Häuslichkeit, die Ruhe und doch gleichzeitig die Lebendigkeit der Räume. Die mediterranen Wandfarben sind wie verblasste Spuren der Zeit. Sie erzählen eine Geschichte – jedes Haus, jedes Zimmer seine eigene. Die Bilder hängen noch an den staubigen Wänden, die Möbel, die Gegenstände befinden sich noch immer an ihren ureigenen Plätzen, die Türen und Fenster stehen offen, wie sie es immer taten.

The Diversion Project & REAL LIFE IS ELSEWHERE

 

Vinyl goes online – ein Kulturphänomen greift um sich


28.03.10

Alle alteingesessenen Musikexperten, die sich noch an vergangene Zeiten erinnern, in denen sich Musik reell greifbar auf runden Polyvinylchloridscheiben befand, die man wiederum, aufgrund von Praktikabilität und Ansehnlichkeit, in quadratischen bebilderten Pappgehäusen versteckte, freuen sich vielleicht über die zweckentfremdete Wiederbelebung des Vinylfutterals. Derzeit kramen weltweit Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Musikgeschmacks in ihren verstaubten Plattensammlungen, um Teil eines um sich greifenden Kulturphänomens namens Sleeveface zu werden. Das Prinzip ist einfach, wie genial: Man suche ein beliebiges Schalplattencover der vergangenen Jahrzehnte, halte sich diese (Hilfe nicht angewachsener Hände darf in Anspruch genommen werden) vors Gesicht und versuche möglichst gekonnt damit rumzuhantieren oder den Titel durch professionellen Stilbruch neu zu interpretieren.

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