transmediale.10 – Unforgettable Memory von Liu Wei


28.01.10

Die transmediale.10 befasst sich grundsätzlich mit dem Begriff Zukunft. Wer eine Zukunft haben darf und wie diese aussieht wurde in ehemaligen sozialistisch-totalitären Systemen aus der Herrscherebene heraus entschieden und mit Gewalt durchgesetzt. Der damalige Student Liu Wei hat 1989 das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens überlebt, er ist Künstler geworden. Sein Text zum Kurzfilm Unforgettable Memory ist ein deutlicher Ruf nach der vernachlässigten Aufarbeitung furchtbarer Erlebnisse, die bis in die Gegenwart hineinwirken, die die Zukunft eines Landes prägen werden. Auf der transmediale wird sich die Filmreihe The Succession of the Future mit der Reflektion der Zukunftsvision Sozialismus und der heutigen Realität in (post)-sozialistischen Staaten auseinandersetzen.

Die Gewinnerin des zweiten Festivalpasses Suzanne W. wird von mir benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch!

Es ist die Erinnerung an 1989, meinem zweiten Studienjahr, in dem ich fast ums Leben gekommen wäre. Ich bin über mein Überleben nicht glücklich, sondern fühle eine große Trauer wegen meiner Unfähigkeit, etwas im Angesicht des Todes zu tun. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Mutters Haar ist grau geworden und geliebte Menschen haben die Tränen getrocknet. Ruhvoll wie für die Ewigkeit herrscht auf dieser ersten Strasse Chinas die Stille vor. Stille, Vergessen und das bewußte Zudecken der Erinnerungen der Menschen verwandelt sie in ein Vacuum. Die Passanten sind in ein unscharfes Bild verwoben, die wahre Erinnerung ist verschwunden, Illusionen sind geblieben. Während die Zeit vergeht, macht uns diese Erinnerung immer hilfloser. Dass wir beim Anblick der Realität stumm bleiben, ist ein Beweis für unsere Scheinheiligkeit und Schwäche. Die Lebenden leben immernoch in der Frage der Toten. Die Sonne geht immer am nächsten Morgen auf und die vier Jahreszeiten bleiben im Wechsel. Der Unschuldige starb auf der einen Seite der Welt während die Schuldigen auf der anderen Seite der Welt groß sind. Das ist die Realität, die sich während dem gesamten Verlauf der Geschichte nicht gewandelt hat.

 

Picturing the Last 10 Years


28.12.09

Ha! Endlich ein Rückblick auf die Dekade, wie ich ihn liebe – als Übersicht!
Die Infografik wurde von Phillip Niemeyer gestaltet.

Für die Großansicht bitte die Grafik anklicken.

NY Times

 

Concrete Fossils – der Fortschritt von Gestern


19.12.09

Ich bin kein großer Fan von Dingen, aber umso mehr von Speicherplatz, integriertem, dazugekauftem und bereitgestelltem. Ich brauche die Zeitung als analoges Massenmedium genausowenig wie Tapes, CD’s oder DVD’s. Plattensammlungen finde ich super – in den Regalen meiner Freunde, und ich sehne den Tag herbei, an dem ich endlich sowas wie iTunes für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen runterladen kann und ich bin ziemlich sicher das solche Schlagzeilen dann irgendwann Vergangenheit sein können und der Informationserwerb sich neu erfinden wird.

Christopher Locke hat verhältnismäßig junge technische Errungenschaften in Beton gegossen, die vom Anwenderstandpunkt betrachtet, durch den rasanten Fortschritt innerhalb der letzten Jahre, mittlerweile obsolet sind, genauso wie sie wirtschaftlich kaum noch eine Rolle spielen.

TBR

 

Das Ende der Nullen


14.12.09

Die nächsten mittigen 00’er erleben unsere Nachfahren in 991 Jahren, zur Jahrtausendwende. Das New York Magazine widmet den sogenannten Nuller-Jahren eine Ausgabe, die die seltene Zahlenkombination im Datum zum Covermodel macht. An diesen gewichtigen Auftrag wurden, wie man sich denken kann, keine Nullen rangelassen, sondern nur berühmte Imagebastler. Zu sehen sind, ausser den beiden finalen Entwürfen von Todd St. John/HunterGatherer für die Abonennten-Ausgabe und von Fellow Design für die am Zeitungskiosk erhältliche, Beiträge von Marian Bantjes, die vorausschauend mit fossil wirkenden Abdrücken arbeitet, wenig feierlich David Carson, historisch einprägsam Jonathan Gray, gut vernetzt stellt Studio 8 Design die Nuller dar und Alex Trochut bindet einen bunten Strauss Vergänglichkeit.

CR

 

Eine vorläufige Bilanz des Wandels in der Berlinischen Galerie


17.09.09

„Berlin 89/09 Kunst zwischen Spurensuche und Utopie“
Berlinische Galerie Alte Jakobstr.124-128, 10969 Berlin
Vernissage: 17.09.2009, 19:00 Uhr, Ausstellung: 18.09.2009-31.01.2010

Fred Rubin, WMF

Fred Rubin, WMF

Fred Rubin hat Ender der 90iger Jahre den legendären WMF-Club , dessen Line-up und Publikum, das heutige Image der Hauptstadt entscheidend geprägt hat, mit abgedanktem Möbiliar aus dem DDR-Außenministerium und dem Palast der Republik ausgestattet. Mit seiner Installation Palast Transfer, die den PdR  — transferiert in eine neue Verschalung — an der Côte d’Azur auferstehen ließ, richtete er mit künstlerischen Mitteln den internationalen Fokus auf die vorschnelle und oft gedankenlose Abrisspolitik in der neuen Bundeshauptstadt. Eine Auswahl seiner Werke ist ab heute  Teil der Ausstellung in der Berlinischen Galerie.

Olaf Metzel, Fuenfjahrplan 1985

Olaf Metzel, Fuenfjahrplan 1985

Die Ausstellung umfasst zahlreiche Werke international bedeutender KünstlerInnen, die sich mit den teils dramatischen, teils nur unmerklichen Veränderungen in der architektonischen und urbanen Struktur der Hauptstadt befasst haben. Mit dem Mauerfall stand Berlin über Nacht im Zentrum einer neuen Aufmerksamkeit: Vom Repräsentant zweier gegensätzlicher Gesellschaftssysteme wurde die Stadt international zum Gradmesser der Wiedervereinigung und zur Projektionsfläche gesellschaftlicher, kultureller und architektonischer Neuentwürfe. Bis heute zieht der tiefgreifende Wandlungsprozess KünstlerInnen aus aller Welt an. Für diese waren von Beginn an die dramatischen Veränderungen in der neuen Hauptstadt Gegenstand intensiver künstlerischer Recherche und Intervention. Sie wurden Auslöser kommentierender, alternativer wie utopischer Entwürfe.

Doug Hall,  Remnants of the GDR

Doug Hall, Remnants of the GDR
Arwed Messmer Potsdamer Platz Anno Zero

Arwed Messmer Potsdamer Platz Anno Zero

BETEILIGTE KÜNSTLER
Ulf Aminde, John M. Armleder, Max Baumann, Stefanie, Bürkle, Sophie Calle, Tacita Dean,
Dellbrügge & de Moll, Johanna Domke, Rainer Fetting, Nina Fischer und Maroan el Sani,
Doug Hall, Tobias, Hauser, Hans Hemmert, Heike Klussmann, Karsten Konrad,
Norbert Kottmann, Susanne Kriemann, Alicja Kwade, David Lamelas, Gerda Leopold,
Ute Mahling, Michel Majerus, Arwed Messmer, Olaf Metzel, Anne Misselwitz, Susi Pop,
Reynold Reynolds, Fred Rubin, Salomé, Sarah Schönfeld, Frank Thiel, Wolfgang Tillmans,
Tim Trantenroth, Bernd Trasberger, Vincent Trasov, Lois Weinberger, Michael Wesely