Mass Black Implosion – Marco Fusinato illustriert in pianoforte


16.02.10

Jede Musikrichtung, jede Melodie und jede Note drückt eine eigene Stimmung, eine unverwechselbare Emotion aus. Noten auf weißem Papier hingegen sind wie eine tote Sprache, zwar für Einige verständlich, aber dennoch nicht lebendig in sich. Allein durch das Sehen einer Komposition wird selten der Charakter einer Musik verstanden oder etwa Gefühle angesprochen. Marco Fusinato hilft bei der Übersetzung und überträgt die Musikstücke in dynamische Illustrationen, die, wie eine Melodie selber, zu kommunizieren scheinen. Über einen Fluchtpunkt verbindet er die einzelnen Noten zu lebendigen Figuren. Ist ein Werk temporeich oder mehrstimmig, stehen also viele Noten ohne Pausen nebeneinander. Die Gestalt ist verdichtet, man spürt die Energie, die das Stück zu vermitteln scheint. Lange Pausen hingegen ergeben ein weitläufigeres, ruhigeres Bild. Die Illustrationen werden selbst Kompositionen und sprechen eine neue, visuelle Sprache – ganz ohne Worte.

Gesehen auf Colt + Rane

 

Morells Fotoprojektionen oder die Magie der Lochkamera


13.02.10

Die Zimmer sind an sich kahl, weiße Wände, kaum Dekoration, wenig Möbel – typische Studentenbuden mag man sagen. Abelardo Morell taucht diese mit Hilfe des Camera Obscura Effekts in Projektionsflächen, Projektionsflächen für die Sehnsucht nach Ferne. Als wären die Wände Türen, tritt man in die Außenwelt ein. Mit viel Feingespühr hat Morell die Bilder ausgewählt. Er hat in die tiefe Seele der Räume geblickt und kennt jetzt ihren Charakter wie niemand anderes. Natürlich weiß er, dass jedem Zimmer nur ein ganz bestimmtes Bild gefällt und in welcher Stadt sie leben weiß er auch. Gegenstände, die sich im Raum befinden, verbinden sich mit den Projektionen. Muster überlagern sich und Möbel, Bilder, Strukturen werden Teil der Installation, in die man eintaucht. Innen- und Außenwelt, Realität und Fiktion werden eins – und das alles mit einer Lochkamera.

Central Park Looking North, New York

Santa Maria Della Salute, Venice

Grand Canal With Bridge

View of Volta del Canal, Venice

Bei längerem Hinsehen kann sich eine gewisses Gefühl von Unruhe und Beklemmnis einstellen. Der erneute Beweis dafür, dass unsere Wahrnehmung nach Ordnung strebt – upside down Projektionen also ausgeschlossen. Das kann man aber sicher üben, wie mit dem Gleichgewicht und Karussell fahren.

Gesehen auf TheNewYorkTimesStyleMagazine und Everyoneisanartdirector

 

Ordinär ist anders – Tara Donovan bringt Pappteller zum Leben


09.02.10

Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit, Individualität und Einmaligkeit: Das sind die neuen Tendenzen. Tara Donovan weiß das schon seit einem Jahrzehnt und recycelt Alltagsgegenstände zu Kunst, verwandelt ordinäre Massenprodukte zu Unikaten. Pappteller, Plastikbecher, Knöpfe und Klebeband: Dinge, die wir als einzelne Gegenstände täglich wahrnehmen. Durch Akkumulation wachsen sie zu futuristisch, lebendigen Landschaften – eine Metamorphose aus industrieller Produktion und organischer Formgebung aus New York.

Wolke aus schätzungsweise 735620 Plastikbechern und 289 Tuben Kleber.

Strohhalme gestapelt.

Knöpfe und Kleber.

Pappteller und Kleber.

Bleistifte und Kleber.

Gerissen und gestapelte Dachpappe.

butdoesitfloat

Acegallery

 

Tiefgekühlt!


04.02.10

Attila Hartwig hat Designerkleidung fotografiert – tiefgefroren. Was aussieht, wie eine gestrickte Qualle, ist tatsächlich ein filigranes Kleid von Jil Sander. Die Kreationen aus vereisten Fasern bilden lebendige Skulpturen. Im Zusammenhang mit der aktuellen Eiszeit vielleicht ein Anblick, an den man sich gewöhnen sollte.


© SüddeutscheZeitungMagazin

In Skandinavien ist eingefrorene Kleidung schon länger bekannt. Die finnische Künstlerin Riitta Päiväläinen arbeitet in ihren Bildern mit dem Zusammenspiel aus Kleidung und Landschaft als Gesamtkomposition.

SZ-Magazin, Helsinkischool

 

Facetten, Reichtum im Raum


13.09.09

Michel de Broin

Michel de Broin

Bin gestern Abend noch über einige interessant geschliffene Edelsteine gestolpert.
Ich hab sie im jüngst überarbeiteten Trendbook#1 – Facet Design entdeckt. Die digitale Werkschau wurde vom Team der Internetbase Everyone is an art director konzipiert und gestaltet. Die visuelle Studie über das Genre Facetten-Design ist inhaltlich ebenso opulent und vielseitig wie die Stilrichtung an sich. Wie Artschoolvets weiß, gibt es schon nächsten Monat ein weiteres Screenbook der Trendfahnder. Der Freund modernster Architektur, Kunst und futuristisch-funktionalem Design aller Disziplinen, kann sich auf eine lichtbrechende Entdeckungsreise begeben, ganze 217-Seiten lang.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, habe meine Augen nach Vertretern meiner Heimatstadt offengehalten und bin 2 1/2 mal fündig geworden. Die Agentur COORDINATION Berlin bespielt Ausstellungsflächen bis nach Peking. Sie sind mit ihren spiegelnden Polyedern in den Kapiteln Design und Space vertreten. Das Architekten-Team Raumlabor hat 2005 die Zwischennutzung des ehemaligen Palast der Republik als Volkspalast mitgestaltet. Ihr, zu diesem Zweck kreierter, Berg ist unter dem Projektnamen convertible city ebenfalls im Kapitel Space vertreten. Olafur Eliasson, der in Kopenhagen geborene Künstler isländischer Herkunft arbeitet von Berlin und Kopenhagen aus. Seine räumlichen Kunstwerke findet ihr im Kapitel Contemporary Art.

Basque Headquarter, Bilbao

Basque Headquarter, Bilbao

Please download here everyone-is-an-art-director—trend-book-1

via ARTSCHOOLVETS

 

A Playful Tone – Contemporary Art by Mike Womack


27.06.09

Mike Womack, 1976 in Houston TX geboren, lebt und arbeitet heute in Brooklyn NY. Seine Werke bestechen durch einen unglaublich-, visuellen Ausdruck. Irgendwo zwischen Gemälde und Skulptur, spielerischer Vielfalt und künstlerischem Konzept wird der Betrachter in teils surreale Welten entführt.


“I have remarked before that a streak of craft is running through contemporary art these days, with many artists making objects by hand using techniques like model-making, knitting and ceramics. It is plainly apparent in this show. In addition to Natsu and Ms. Peppito, there is also Mike Womack, who has constructed a cinder block out of bright orange Cheetos. It is a tongue-in-cheek gesture, but the block is so perfectly made that you cant help but admire the artists oddball brilliance.” – Benjamin Genocchio, New York Times, August 2007

 

Gosh…Shiny Happy People


12.11.08

© Aaron Ruell

© Aaron Ruell

In Napoleon Dynamite spielt Aaron Ruell Napoleons Bruder Kip, der auf Internet Dating steht. Im richtigen Leben ist die Fotografie Ruells Passion.
Doch so weit vom Filmset  von Napoleon Dynamite bewegt sich Ruell in seinen Fotos gar nicht weg. Seine schrägen Typen hätten sich sicher auch gut in Jared Hesss Film gemacht. Der etwas andere American Dream, irgendwo zwischen glossy Werbefotografie und Wes Andersons Notizbuch, finden sich Ruells Modelle. Seine Bilder sind gestochen scharf, perfekt durchkomponiert und von einer tiefen Farbigkeit. Nicht erst seit Napoleon Dynamite wissen wir, eine Prise Schrulligkeit kann manchmal ganz schön charmant sein.


Via: Knicken

 

Moneyart in Times of Crisis


07.11.08

Wir alle sind genervt von der bösen, bösen Wirtschaftskrise. Solange wir also noch den einen oder anderen Geldschein besitzen, sollten wir diese Zeit genießen und uns kreativ betätigen anstatt zu meckern. Won Park hat’s vor gemacht und beweist, was mach mit einem Dollar so alles machen kann.

Via The Tastemakers Society

 

Polygon Playground //dynamic lounge object//


02.11.08

The “Polygon Playground” is a large scale interactive lounge object. It offers room for up to 40 persons at a time to walk, sit and explore its multifaceted surfaces. Gradient ramps guide to the top plateau or offer space to sit and rest. The installation features a software aided 3D surface projection system to cover the object with a seamless 360 degree projection mapping. An additional sensory system detects peoples positions and proximity.

Die Macher, WHITEvoid, kreierten einen Raum, der durch die Bewegung und Berührung von Besuchern seine grafischen Funktionen und visuellen Eindrücke kontinuierlich verändert. Interaktiv und beeindruckend. Das würde ich gerne mit meinen Freunden testen.

via: Make

 

Phil Ashcroft – post-industrial strength


02.11.08

© Phil Ashcroft, Solar System Parameters

© Phil Ashcroft, Solar System Parameters
© Phil Ashcroft, Detroit (study)

© Phil Ashcroft, Detroit (study)

Phil Ashcroft- als ich seine Bilder das erste Mal sah, schossen mir zahlreiche Assoziationen, Stilrichtungen und mögliche Einflüsse durch den Kopf. Die Arbeiten des Briten sind äußerst kraftvoll und grafisch. Die Stalaktiten die seine Leinwände einnehmen, wirken wie Überbleibsel des industriellen Zeitalters. Gefährlich spitz, kühl und kubistisch anmutend. Seine Formen und Farben durchbrechen die Flachheit der Leinwand, sie scheinen in eine andere Ebene überspringen zu wollen.

Ashcroft nennt Abstrakten Expressionismus, britische Landschaftsmalerei, 80er Jahre Graffiti, den Film Bladerunner und japanische Holzschnitzereien als Inspiration. Mitte der 90er Jahre machte Ashcroft seinen Abschluss am Central St. Martins College of Art and Design. Er ist Mitglied des renommierten Scrawl Collective, ein Zusammenschluss von Designern, Illustratoren und Artists, aus den Bereichen Grafikdesign, Street Art, Graffiti und Malerei.

Via: Rojo

 

Animal is King, Baby!


01.11.08

Ryan McLennan ist ein Tierfreund. Nein, bei McLennan handelt es sich nicht um einen perversen Sodomisten, sondern um einen naturverbundenen Nerd der seine Kindheit und Teenagerjahre damit verbracht hat gefiedertes, pelziges, sabberndes oder anderweitig animalisches zu beobachten. Bis zur Pubertät, in der er, wie wir alle, seine Vorliebe für Bier oder Masturbation entdeckte und seine Leidenschaft zu Gold machte.

„Growing up I would spend all my time looking for animals and setting up environments in aquariums for lizards and turtles or whatever I could catch. This lasted until I got interested in more grownup things like skateboards and girls and drinking beer with my friends.”

Heute ist McLennan ein gefeierter Künstler und verdient einen Haufen Asche mit seinem Kompott aus realistischen Tierdarstellungen, bei der sich Fuchs und Bär die Klinke in die Hand geben. Wer bei besagter Tierdokumentation gleich an Burschenschaftsdekor oder Opas Jagdtrophäen denkt, ist auf dem Holzweg!  

 

Sneaker Fruit Cocktail


31.10.08

© Defill & Milcke

© Defill & Milcke
© Defill & Milcke

© Defill & Milcke

Schaut ruhig zwei mal hin. Diese frischen Teile hier oben kommen direkt aus der Gemüseabteilung. Vitamin A, B und C ersetzen Leder, Baumwolle und Gummi. Die Design Argenturen Defill und Milcke kooperierten mit Nike und etwarfen mehrer Gemüse-Sneaker, die hoffentlich nicht dem Verwesungsprozess verfallen werden.

Mehr in Sachen Sneaker-Food (diesmal nichts für Vegetarier) hier.

Via Highsnobiety

 

Riitta gegen schwarze Weihnacht


31.10.08

Wenn aufgrund der globalen Erwärmung der Golfstrom umgeleitet wird, dann wird es in unseren Breitengraden eigentlich noch kälter. Komisch also dass wir Nordeuropäer schon seit einigen Jahren den Winter immer mehr vermissen. Das Wetter verschiebt sich vielmehr, so scheint es. Und wenn man als nicht wissenschaftlicher Mensch nämlich versucht, das Phänomen zu begreifen, erinnert man sich an seine Kindheit, in der Weihnachten zumeist weiß und der Sommer über alle Maßen heiß war. Dies scheint auch die finnische Künstlerin Riitta Ikonen zu beschäftigen. Nachdem sie in Helsinki zweimal vergebens auf ein weißes Weihnachten warten musste, beschloss sie, der Klimaveränderung auf ihre Weise beizukommen. Sie verkleidete sich als Schneeflocke und “beweißt” alles, was ihr “beweißenswert” vorkam. Das Projekt nannte sie „Me again”, dieses sollte kritisch auf die Klimaerwärmung im Speziellen und die Veränderung in unserer Natur im Allgemeinen aufmerksam machen. Auf diese Weise nutzt Ikonen ihre Kunst als Ausdrucksmöglichkeit ihrer Gedanken, Zweifel und Sorgen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass ihre Arbeit  etwas Reales in Menschen auslösen kann. Vor allem das Schneeflockeprojekt hat viel Zuspruch erfahren, sogar der WWF wurde darauf aufmerksam. Damit hat sie im Grunde genommen auch ihr Ziel erreicht, ihr Projekt außerhalb der Kunstszene als politisches Statement zu etablieren.

Daher möchte Riitta auch in Zukunft weiterhin ihre Arbeiten nutzen, um auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Das nächste Projekt steht schon an und wird sich mit überwachsenen Seen in Finnland und den Auswirkungen steigender Temperaturen beschäftigen. Außerdem hofft sie gerade auf eine Finanzierung für ein Projekt am Baltischen Meer, dessen natürliches Gleichgewicht durch die Erwärmung ebenfalls leidet. So sagt Ikonen selbst:

„Ich halte immer Ausschau nach weiteren Belangen und ich würde mich freuen, wenn mir andere Menschen über Beobachtungen in ihrer unmittelbaren Umgebung berichten würden. Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Natur, das es immer ein großen Teil meines Lebens in Finnland ausgemacht hat. 187.888 Seen ist nicht einer zuviel für ein Land, und ich würde es ungern sehen, einen von ihnen zu verlieren.”

Das seltsame Fehlen von Schnee an Weihnachten hat in Finnland übrigens sogar einen Namen erhalten. Es heißt „schwarze Weihnachten”.

 

The John Malloy Halluzination


30.10.08

Ausschnitt aus 'Sedation' ©  John Malloy

Ausschnitt aus ‘Sedation’ © John Malloy
Kathleen Edwards fürs Paste Magazine, © John Malloy

Kathleen Edwards fürs Paste Magazine, © John Malloy

Fortlaufende Bilder, voller Bewegung, wild und farbig, sie sind es was John Malloy Geschichten so einzigartig werden lassen. Mit seinen rohen Szenarien könnte Malloy ganze Leinwände des schnellen Lebens, von Drogen, Musik und anderen Welten, füllen. Doch eigentlich ist der in Baltimore lebende Malloy Comicbuchautor und Illustrator, sein Graphic Novel Amnesia erschien 2001. Zurzeit arbeitet er an zwei weiteren Graphic Novels. Seine Dienste sind gefragt, so zeichnete er für das Paste Magazine ein wunderbares Portrait der Musikerin Kathleen Edwards.

Via: Yay! Monday!

 

Ge-dipstickt


29.10.08

© Nick van Woert

© Nick van Woert

Was aus einem Barbie-Ken wird, der immer und immer wieder in Farbe getunkt wurde, zeigen uns die Arbeiten von Nick van Woert. Der junge Designer aus New York transformiert den Trash unserer Zeit – und benötigt dafür lediglich einen Eimer Farbe. Das Resultat nennt er Dipsticks. Jede seiner Plastik-Figuren wird so lange kopfüber in den Farbeimer geworfen, bis der Bottich leer ist und die Farbe das einstige Massenprodukt in ein einzigartiges Geschöpf verwandelt hat. Der leere Eimer wird zum Sockel umfunktioniert, die neue Kreatur darauf exponiert.

Nichts Aufregendes an Material oder Prozess – aber dem Ergebnis haftet diese schöne D.I.Y.-Ästhetik an und eine ordentliche Portion Zynismus am Zustand unserer Zeit. Eine Zeit, die der Denker van Woert in einem Exposé als modernism 3.0 beschreibt. Dieser modernism 3.0 ist seiner Meinung nach durch Veränderung gekennzeichnet ist, die aber keinen tieferen Sinn hat. Es geht ums Verändern, ohne zu wissen, worauf man hin steuert. Es geht ums Shoppen und Verschwenden. So gesehen wird die an der Oberfläche wirkende Sinnlosigkeit seiner Dipsticks zum Spiegelbild unserer Zeit.