Adam Kimmel – F/S 2009
Wenn man sich durch Adam Kimmel Kollektionen klickt, fallen unzählige Overalls auf. Das untrennbar mit der Arbeiterklasse verbundene Kleidungstück zieht sich wie ein roter Faden durch seine Kollektionen und bildet die Quintessenz seines Stils. „Ich hatte immer ein Interesse daran, dass das, was ich mache, in etwas Realem und Klassischen verwurzelt ist”, so der 29-jährige Designer, der einen Gegenentwurf zu den anderen amerikanischen Designstars des Moments, wie etwa Tom Ford oder Thom Browne, ist. Seine Mode kommt aus der intellektuellen Künstlerszene, Arbeiterkleidung wird aufgrund ihrer Robustheit zur Uniform der Avantgarde. Die Stoffe, die Drucke und vor allem die Materialien strahlen eine ungekünstelte Männlichkeit aus, alles erscheint sinnig und nützlich. Kimmel verwendet in Massen produzierbare Stoffe (Sweatshirt- und Frotteestoff) und möchte damit Werte vermitteln – Mode wird wieder Bekleidung und hat mit den Dandys von Thom und Tom rein gar nichts zu tun. Gegenkontrast bilden speziell gewebte Kaschmirstoffe, deren raue Optik beim Anfassen dann durch eine weiche Haptik überrascht. Selbst profaner Kord wird so veredelt.
Kimmel, der sein Architekturstudium zugunsten der Mode sausen lies, holt sich die Inspiration bei den Malerstars, die den amerikanischen Abstrakten Expressionismus prägten – Jackson Pollock, Willem de Kooning, Ed Ruscha. Seine über die vergangenen Jahre immer wiederkehrenden Farben scheinen direkt aus Franz Klines „c and o” gegriffen zu sein. Schwarz- und Grautöne bilden seine Basis, dazu kommt Braun, Royalblau und immer wieder Maisgelb. Selten verwendet er auch Drucke, mal Segelmotive oder, wie für den Sommer 2009, einen Hawaiihemd-inspirierten Druck.
Adam Kimmel – F/S 2009
Die anfangs aus Geldnot entstandene Idee, die Kollektion als Lookbook zu präsentieren, hat sich mittlerweile durchgesetzt und als richtig erwiesen. Die Fotografien wirken wie aus dem kommerziellen Kontext herausgelöst. Kein Wunder nun, dass der Designer zur Umsetzung dieser Werke die Paten seiner Kollektionen als Modelle gewinnen kann. Neben Ed Ruscha, Ken Price und Dean Stockwell, stand sogar Dennis Hopper vor der Kamera. Besonders bemerkenswert ist, das alle viel glaubhafter wirken, als für Kampagnen anderer Häuser verpflichtete Stars. Noch einen Schritt weiter geht Kimmel mit dem 2008 entstandenen Film „Claremont”. Patrick Rizzo und Noah Sakamoto geben sich einem unglaublichem Höllenritt hin, in babyblauen Anzügen jagen die beiden auf Longboards den Claremont Canyon in Oakland hinunter. Die Arbeit des Kameramanns (Colin Blackshear) ist wohl besonders bemerkenswert.
Adam Kimmel – F/S 2009
Adam Kimmels Mode kommt der Vorstellung eines Künstlers im modernen Sinne sehr nahe. Im Gegensatz zu Stefano Pilatis Sommerkollektion 2008 für YSL, in der ebenfalls das Sujet des verklecksten Malers Thema war (mit einem nicht zu verachtenden Resultat), wirken seine Entwürfe sehr viel authentischer. Er liefert den ungekünstelten Prototypen ab, Persönlichkeit und Lebewelt des Trägers lassen die Kleidungsstücke lebendig werden.