Stephanie Ledoux – Reiseskizzen


16.07.10

Reiseimpressionen malerisch festzuhalten, ist aus der Mode gekommen und der Fotografie zum Opfer gefallen. Stephanie Le Doux jedenfalls hält an der schönen Tradition fest die Caspar David Friedrich und Paul Gaugin zu Bekantheit verhalfen und malt ihre Reisen. Spezialisiert hat sie sich auf Porträts von Einheimischen, die sie, so erkläre ich mir die zahlreichen Fotos, auf der Strasse anspricht und skizziert. Im finalen Bild erreichen die Modelle – im starken Kontrast zum oft rauh wirkenden, zweckentfremdeten Papier – eine faszinierende und dennoch romantisierende, fast schon unwirkliche Reinheit und Makellosigkeit. Möglicherweise ein Indiz dafür, was sich die Künstlerin mitzunehmen wünscht von den exotischen Orten dieser Erde – nichts als ihre Schönheit.

Quinquabelle

 

Marc de Cuna Lopes – Zwischen Splatter und Naturkundemuseum


30.06.10

Der in Paris lebende Fotograf Marc de Cuna Lopez zeigt sehr plastisch seine Fähigkeiten in Photoshop. Unter den Links findet ihr weitere Arbeiten, thematisch  zwischen Splatterstreifen und Naturkundemuseum zu Hause.

Grateful Grapefruit

 

Verschwommene Erinnerungen aus Kaixian


24.06.10

Der Drei Schluchten Damm in China ist, wie sollte es anders sein, der größte der Welt. Mit der Fertigstellung im Jahr 2009 erstreckt sich der Stausee über 600 Kilometer und begräbt damit Landschaften, ganze Städte, unzählige Dörfer und Fabriken unweit des Jangtse Flusses unter einer tiefen Wasserdecke. Yang Yi hält die letzten Eindrücke, seine persönlichen Erinnerungen und Plätze, die letzten Spuren von Leben und Verfall in seiner Heimatstadt kurz vor der kompletten Überflutung fest. Die Bilder sind eine Fiktion aus Fotografie und digitaler Technik, zeigen eine zukünftigen Unterwasserwelt, in der Menschen, ausgestattet mit Schnorchel und Taucherbrille, ihrer täglichen Routine nachgehen.

My Modern Metropolis

 

Unbemannte Rettungstürme von Amir Zaki


22.06.10

Für alle Freunde des unbefangenen Plantschvergnügens an seichten Sommertagen, hier ein paar Impressionen vom sandig sonnigen Südkalifornien, wo vor wolkenlosem Himmel friedlich und beglückt Bademeisterhäuschen ungestört von lästigen Bademeistern in lieblicher Sommerluft entspannen. Doch die perfekte Harmonie ist trügerisch, Amir Zaki hat nicht nur Farbe manipuliert sondern auch Leiter retuschiert.

SpaceInvading

 

Fototapetenfotografie von Mark Lyon


18.06.10

Während Zahnarztpraxen scheinbar von allen Raumausstattern dieser Welt böswillig gemieden werden und man so, unter strapaziösen Schmerzen und traumatischen Schweißausbrüchen leidend, dem Bohrersummen lauschen und die vergilbten Deckenplatten begutachten muss und sich letztendlich einer Verschwörung gegen das eigene Wohlbefinden ausgesetzt sieht, zeigt Mark Lyon, dass es auch solche Mediziner gibt, die auf die narkotisierende Wirkung außerordentlich ungewöhnlicher Landschaftstapeten setzten. Ob eine Behandlung vor hawaiianischem Blumenmeer oder trauter Berglandschaft besonders vertrauenerweckend erscheint, ist dabei Nebensache.

PICDIT

 

John Clang – fotografische Montagen


16.06.10

Provokant und beunruhigend, minimal doch tiefer, (Con) Fron – eine Ausstellung des bekannten Werbefotografen und Künstlers John Clang in der Gallery 2902 in Singapur, untersucht die Dekonstruktion von Erinnerung und Zeit, den Wunsch des Menschen, auf die Zukunft zu projezieren, und die Erkenntnis, dass aus der Zukunft die Vergangenheit spricht.

Grateful Grapefruit

 

Haushoch montiert – satirische Architektur von Simon Boudvin


09.06.10

Was der Franzose Simon Boudvin mit Fotobearbeitungssoftware montiert hat, sind zum Teil Meisterwerke der nicht umsetzbaren Architektur. Interessant zu sehen, wie leicht normal zu grotesk wird, wegen ein paar hinzu addierten Altbaugeschossen, durch die pedantische Ausnutzung von Bauraum, auch wenn man dafür alles auf den Kopf stellen müsste, wie einfach es ist den Sinn einer Straße ganz und gar zu vernichten, indem man sie zu einem Kreis mit exakt einer Auffahrmöglichkeit schließt und wie sehr ein langweiliges Mehrzweckgebäude an Sympathie gewinnt, könnte man es über Rutschen verlassen.

Triangulation Blog

 

Once upon a time: Die Telefonzelle


08.06.10

Während wir heute zweifeln, ob ein Leben ohne Handy, Internet und Flatrate tatsächlich möglich war, gibt es in Los Angeles bereits bildhafte Beweise dafür, dass es irgendwie auch mal anders ging. Unvorstellbar, aber es gab Zeiten, in denen der einzige unverzügliche Kontakt zu Außenwelt noch der heißgeliebte Festnetz-Kabeltelefonanschluss war, man zu Verabredungen pünktlich erscheinen musste, auf echtes Bargeld angewiesen war und wir uns der Bedienung hochmodernen Telefonhäuschen erfreuten. Heute sind die kuscheligen Fernsprecheinrichtungen vom Aussterben bedroht, Nataly Rader hat die übrig gebliebenen Raritäten fürs Geschichtsbuch festgehalten. Je nach Wohngegend variiert der Zustand der ausgedienten Apparate.

lenscratch

 

Candy Congo – Dokumentarfotografien aus dem Krisengebiet


06.06.10

Kriegsszenen fluten täglich unsere Medien, dabei sind es immer die gleichen monotonen Bilder von Gewalt, Macht und Stolz, von Elend und Trauer. All das vermischt sich in unserem Gedächtnis zu einem Sumpf aus drückenden trüben Erinnerungen. Wenn solche bekannten Impressionen in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden, wenn Haltung und Autorität auf Sanftheit und Surrealismus treffen, ist das provokativ und polarisierend. Auf diese Weise hat Richard Mosse die bekannten Szenen von Krieg und Konflikt in Ost-Kongo dokumentiert. Per Infrarot Kamera tarnen sich Grüntone mit einer zarten Palette aus träumerischen Seifenblasenfarben. Die gewohnten Schreckensbilder wirken surrealistisch, weich und lieblich, die stolzen Posen, die kämpferischen Haltungen bekommen einen kuriosen fast lächerlichen Beigeschmack. Wie würden Soldaten wohl wirklich in einer rosa Uniform posieren – und wie würden wir Krieg wahrnehmen?

We Find Wildness

 

Portraits von Primaten – Ruben Brulat


27.05.10

Ruben Brulat portraitiert Menschen, dabei ist er nicht angewiesen auf schnuckelige Fotostudios, theatralische Windmaschinen und umschwärmte Stylisten. Er zeigt den Menschen in seiner natürlichen Form, als Spezies, nackt, ungeschützt und alleine und schafft damit seine ganz eigene Dramatik. Klein und verlassen, hilflos und ausgesetzt wirkt der Körper in seiner ursprünglichen Umgebung, verloren und vereinsamt in seinem eigens geschaffenen urbanen Umfeld. Wie in einem Suchbild wird der Mensch ohne persönlichen Sicherheitsbereich, ohne schützende Fassade, selbst eine kleine Figur auf einem großen Spielfeld.

Wer die Arbeiten des Pariser Fotografen in Echtgröße auf sich wirken lassen will, kann bis 31.07 die G3 Gallery in Hamburg aufsuchen.

PhotoSlaves

 

Funktionale Absichten – Ralf Grosseck


21.05.10

Andere sammeln Briefmarken, Ralf Grossek sammelt funktionale Absichten. Funktionale Absichten findet man eigentlich überall dort, wo ausgetüfteltes Ideenreichtum auf zweckbedingte Problemchen des Alltags trifft, von Orten des chronischen Platzmangels über Situation der ratlosen Komfortproblematik. Nach dem Prinzip: anpassen verbergen, leiten ordnen, sperren sichern, halten stützen und markieren optimieren, kooperieren die Alltagsobjekte zu einer astreinen Problemlösung.

PICDIT

 

Heimatliebe by Bryan Schutmaat


18.05.10

Bryan Schutmaat ist eigentlich Geschichtslehrer in Houston, Texas. In seinen Fotografien lässt er uns aber an seinen ganz persönlichen Geschichten teilhaben, an seinen Erinnerungen an Heimat und seinem Gefühl von vertrauter Umgebung. Für andere verkörpern seine Bilder vielleicht Einsamkeit, Einöde oder Eintönigkeit, für ihn ist es persönliche Nostalgie und Zufriedenheit, Vertrautheit und innere Ruhe. Tatsächlich sahen Orte alltäglichen Geschehens selten so lieblich aus.

Oh, Snap! & I like this blog

 

Home Sweet Home


11.05.10

Spätestens, wenn sich treue Begleiter, wie folgsame Wecker und gefügige Fernbedienungen heimlich dem altehrwürdigen Dienst widersetzten, die akkurate Badartikelordnung nachts gegen die morgendlichen Gewohnheiten ihrer Besitzer rebelliert, sich Haushaltsgeräte zu einem ausgeklügelten Komplott zusammenschließen, um gutmütiges Vertrauen unverfroren zu untergraben und selbst die großherzig aufgenommene Avocado, zu der gerade noch neues Vertrauen geschöpft wurde, einen mit fiesen Schimmelattacken aus dem eigenen Refugium drängen will, wird klar, dass man nirgendwo mehr sicher ist. Glücklicher Weise hat Matthieu Lavanchy einige rettende Praktiken zur Verteidigung des Eigenheims zusammengestellt.

designboom

 

Expo 2010 – Das Riesenbaby von Shanghai


29.04.10

Die Fotoreihe auf The Big Picture von der Expo 2010 die kommenden Samstag eröffnet, ist beeindruckend. Booooooom! sorgt für das Kontrastprogramm zum superlativen Schaulaufen der ausstellenden Nationen: chinesische Familien stellen raus.

 

California Dreamin oder die Sternstunde des Lastkraftwagens


26.04.10

Vor gar nicht langer Zeit, als Schlaghosen noch voller idealistischer Leidenschaft zur universellen Uniform für jeden Anlass erklärt wurden und The Mamas And The Papas weltweit für Momente voll Liebe und Frieden sorgten, erlebten unscheinbare Lastkraftwagen stilistische Sternstunden. Als Trendsetter unter den Verkehrsmitteln galten die begehrten Kleintransporter dem zeitgenössischen Geschmack ihrer Besitzer unterworfen und wurden so, dank Flokatiteppichauslage, Gardinenverkleidung oder künstlerischer Fingerfarbengestaltung, spontan Inbegriff des Ausdrucks der eigenen Persönlichkeit. Dennoch: aufgrund eines rasanten Triumphs der fortschreitenden Technik, nachtragender Trendpolitik und fieser Rostattacken sind die rollenden Kultbehausungen derzeit vom Aussterben bedroht. Joe Stevens, Filmemacher und Fotograf aus New York, widmet sich seit 1996 den einsamen Kleinbussen und hält in seiner fotografischen Serie ,,Vans and the places where they were“ den Werdegang der gealterten Kultobjekte im Kontext ihrer Umgebung in Kalifornien fest.

IMMUNEmedia DennyLang