Blob VB3: die Alternative zum Osterkörbchen


04.04.10

Passend zur Zeit der furiosen Eiersuche hier ein etwas größer geratenes Ei, geschickt durch außerirdisches Aussehen am Rande verdächtiger Kornfelder getarnt. Der überdimensionale Hartschaler hört auf den geheimnisvollen Namen Blob VB3. Seine Macher vom belgischen Architekturbüro dmVA haben dem ausgewachsenen Ei aber nicht nur eine harte Schale mitgegeben. In der auf Hochglanz polierten Polyesterhülse verbergen sich ein platzsparendes Bad, integrierte Kochnische, halbrundes Bett und großzügige Verstaumöglichkeiten. Ein appetitlicher Rückzugsort für alle, denen es in rechteckigen Räumen zu ungemütlich ist oder, die schon immer von einem eigenen Büro geträumt haben. Das ausgehöhlte EIgenheim lässt sich durch minimale Gewichtsklasse ganze einfach jedes Ostern neu verstecken.

designboom

 

Abgründe der modernen Kunst in New York und London


18.03.10

Zwischen nüchternen Neonröhren und blassem Beton maskieren sich Tiefen der modernen Kunst. Die bunten Bilder, die interaktiven Installationen wurden nicht vergessen anzubringen und es hat sich auch niemand verlaufen. Freigelassen durch die Autonomie moderner Kunst kreieren ein Schweizer und eine Kolumbianerin Installationen aus Dreck, Erde, Beton, Zerstörung. Urs Fischer buddelt ein 3 Meter tiefes Loch im Wert von 250.000 $ in die New Yorker Galerie von Gavin Brown und Doris Salcedo entwirft einen 176 Meter langen Riss für die ehemalige Turbinenhalle Tate Modern in London. Zugegeben hier ist Abstraktionssinn gefragt, denn wer hätte das gedacht, die kontemporäre Kunst hat wahrhaftig Tiefgang. Während Fischer an die Wertschätzung von Ausstellungsraum appelliert, versinnbildlicht Salcedo die gesellschaftliche Kluft durch Ausgrenzung und Rassismus.

kaszinski & Sweet Station, Cool Hunting

 

Bestandsaufnahmen gesellschaftlicher Tabubezirke


16.03.10

Zweisitzer oder Eckcouch, Wackeldackel oder Wandteppich, Biber Bettwäsche oder Satinlaken: all das gilt als wichtiger Informationsträger der demografisch bis psychografischen Analyse eines Haushüters. Doch wie prägt persönliche Individualität Plätze der architektonischen Analogie und stilistischen Systematik außerhalb heimischer Sphären. Jürgen Chill hat sich Gefängsniszellen und Bordellstuben mal von oben angeschaut und sich auf eine preisgekrönte fotografische Ermittlung in Vogelperspektive begeben. In Frontalperspektive sind die Arbeiten übrigens auch im Oktober auf der Expo 2010 in Shanghai, China im Deutschen Pavillon ausgestellt. Abgesehen von der farblichen Verschiedenheit und differenzierenden 4qm ca. wirken die Räumlichkeiten doch erstaunlich ebenmäßig.

Bordelle auf hundertmark, Zellen auf popchili

 

Morells Fotoprojektionen oder die Magie der Lochkamera


13.02.10

Die Zimmer sind an sich kahl, weiße Wände, kaum Dekoration, wenig Möbel – typische Studentenbuden mag man sagen. Abelardo Morell taucht diese mit Hilfe des Camera Obscura Effekts in Projektionsflächen, Projektionsflächen für die Sehnsucht nach Ferne. Als wären die Wände Türen, tritt man in die Außenwelt ein. Mit viel Feingespühr hat Morell die Bilder ausgewählt. Er hat in die tiefe Seele der Räume geblickt und kennt jetzt ihren Charakter wie niemand anderes. Natürlich weiß er, dass jedem Zimmer nur ein ganz bestimmtes Bild gefällt und in welcher Stadt sie leben weiß er auch. Gegenstände, die sich im Raum befinden, verbinden sich mit den Projektionen. Muster überlagern sich und Möbel, Bilder, Strukturen werden Teil der Installation, in die man eintaucht. Innen- und Außenwelt, Realität und Fiktion werden eins – und das alles mit einer Lochkamera.

Central Park Looking North, New York

Santa Maria Della Salute, Venice

Grand Canal With Bridge

View of Volta del Canal, Venice

Bei längerem Hinsehen kann sich eine gewisses Gefühl von Unruhe und Beklemmnis einstellen. Der erneute Beweis dafür, dass unsere Wahrnehmung nach Ordnung strebt – upside down Projektionen also ausgeschlossen. Das kann man aber sicher üben, wie mit dem Gleichgewicht und Karussell fahren.

Gesehen auf TheNewYorkTimesStyleMagazine und Everyoneisanartdirector

 

Facetten, Reichtum im Raum


13.09.09

Michel de Broin

Michel de Broin

Bin gestern Abend noch über einige interessant geschliffene Edelsteine gestolpert.
Ich hab sie im jüngst überarbeiteten Trendbook#1 – Facet Design entdeckt. Die digitale Werkschau wurde vom Team der Internetbase Everyone is an art director konzipiert und gestaltet. Die visuelle Studie über das Genre Facetten-Design ist inhaltlich ebenso opulent und vielseitig wie die Stilrichtung an sich. Wie Artschoolvets weiß, gibt es schon nächsten Monat ein weiteres Screenbook der Trendfahnder. Der Freund modernster Architektur, Kunst und futuristisch-funktionalem Design aller Disziplinen, kann sich auf eine lichtbrechende Entdeckungsreise begeben, ganze 217-Seiten lang.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, habe meine Augen nach Vertretern meiner Heimatstadt offengehalten und bin 2 1/2 mal fündig geworden. Die Agentur COORDINATION Berlin bespielt Ausstellungsflächen bis nach Peking. Sie sind mit ihren spiegelnden Polyedern in den Kapiteln Design und Space vertreten. Das Architekten-Team Raumlabor hat 2005 die Zwischennutzung des ehemaligen Palast der Republik als Volkspalast mitgestaltet. Ihr, zu diesem Zweck kreierter, Berg ist unter dem Projektnamen convertible city ebenfalls im Kapitel Space vertreten. Olafur Eliasson, der in Kopenhagen geborene Künstler isländischer Herkunft arbeitet von Berlin und Kopenhagen aus. Seine räumlichen Kunstwerke findet ihr im Kapitel Contemporary Art.

Basque Headquarter, Bilbao

Basque Headquarter, Bilbao

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via ARTSCHOOLVETS